The weeks after…

Tag 94 – After Race DayUnd ein Ruhetag. Wie schön. Meine Oberschenkel , und vor allem mein Hüftbeuger, sind heute etwas gereizt. Eigentlich kein Wunder. Ansonsten geht es mir gut. Bin nur richtig müde und echt platt. Auch das ist normal nehme ich an. Ich warte den ganzen Tag auf das Hungerloch. Aber irgendwie hat mein Körper keinen Bedarf und sendet nur wenig Hungersignale. Das wiederum finde ich erstaunlich. Der Tag wird mit viel Ruhe verbracht und zum Abschluss mit einem super essen beim Inder. Mit Mangolassi und allem was dazu gehört.

Tag 95 – Kleine Einheit

Eigentlich sollte es heute nach der Rückfahrt eine kleine Einheit geben, radeln, schwimmen, irgendwas. Als wir in München ankommen sind wir einfach nur müde von der Fahrt, es schüttet in Strömen und die Katze verlangt nach Liebe. Die 35 Minuten werden einfach in Aufräumarbeiten investiert.

Tag 96 – URMel Hütchenspiele 2.0
Mir geht es gut. Mein Beine sind auch soweit fit. Ich frage mich, ob die große Klatsche noch kommt oder ob mein Körper einfach gut wegstecken kann.

Aber erst mal eine Runde Kaffee mit den Liebsten und ein paar Glückwünsche entgegen nehmen. Danke ❤

Heute ist die Gruppe wieder recht groß. Wir laufen Richtung Hofgarten und der Spaß beginnt: hüpfen auf dem einem Bein, dann auf dem Anderen, durch die Hütchen wetzen, durchspringen…. zwei Polizisten beobachten das ganze Geschehen aus sicherer Entfernung. Zum Abschluss ein kleines Spielchen um den Spieltrieb der Gruppe zu stillen und ab nach Hause. Immer ein Vergnügen.

Tag 97 – 45 Minuten locker

Sollte kein Problem sein. Denke ich zumindest. Doch denken ist Glückssache. Denn als ich loslaufe merke ich, dass meine Waden komplett hinüber sind. Unfassbar. Ich komme gefühlt gar nicht vom Fleck. Schwer, müde, platt… alles. So quäle ich mich 45 Minuten durch den Wald. Die Zeit will gar nicht vergehen, das macht mich fertig! So eine Quälerei.

Und zu Hause gibt es zur Belohnung noch eine Runde Stabi. Das ist der Knaller. Ich bin fertig mit der Welt. Good Night. 

Tag 98 – 60 Minuten locker plus 5 Minuten gesteigert zum Schluss 

Nach dem Desaster vom Vortag. In weiser Voraussicht bekommen meine Waden heute CEPs. Es geht wieder Richtung Wald. Die Waden meckern immer noch. Der Trost ist die herrliche Ruhe: Da schlechtes Wetter in der Luft liegt, verkriechen sich die Leute in ihren Wohnungen und Häusern. Ich genieße die Ruhe und laufe weiter Richtung Germeringer Straße. Dort angekommen laufe ich links herum Richtung Maria-Eich. Es nieselt. Ein angenehmes Gefühl auf der Haut.  

Entlang der Straße geht es zum Parkplatz von Maria-Eich und auf den Wallfahrerweg. Die Waden sind nach wie vor beleidigt, aber ich bin trotzdem im Flow und komme so langsam runter. Zu viel um die Ohren. Der Klassiker so kurz vor dem Urlaub. Ich schaue auf die Uhr: Bald gehen die gesteigerten 5 Minuten los. Kurz vor der Brücke zurück nach Hause ein kurzer Zeitcheck: Ok, noch über die Brücke drüber und dann Gas geben. Was noch so geht, denn meine Beine fühlen sich mal wieder an wie Gummi. Ich laufe, für meine Verhältnisse, sehr schnell dahin, die letzten 5 Minuten. Es geht erstaunlich gut und so komme ich schnaufend und zufrieden zu Hause an.

Tag 99 – Ruhe

Ich verbringe den Tag damit, den Garten auf Vordermann zu bringen. Ist nicht unbedingt Ruhe, aber es macht Spaß. Die Sonne scheint und so wird das erste mal im Jahr gegrillt. Sehr schön. Ich mag Ruhetage.

Tag 100 – Sport nach eigenem Ermessen

Und es ist verdammt heiß. Zu heiß um irgendwas zu tun. Trotzdem schälen wir uns aus den Federn und besuchen das facettenreiche Training für Läufer unserer lieben Coaches. Sebastian ist heute alleine und die Gruppe mit 4 Personen sehr klein. Da es so heiß ist gibt es viel für die Koordination, Mobilisation und die Stabilisation. Das kleine Tempotraining in der Mitte hat es jedoch ganz schön in sich. 150m Steigerung 4xleicht bergauf und 4xleicht bergab. Und wieder einmal die Erkenntnis: 150m können so verdammt lang sein. So unfassbar lang. Nach der dritten Runde bergab mache ich den Fehler, die vierte zu laufen. Ich hätte nach dem dritten schon die Richtung wechseln können. Aber als einzige Frau gibt man sich nicht die Blöße und läuft das volle Pensum. Scheisse, ist das anstrengend. Man versucht, seine Technik aufrecht zu erhalten. Gar nicht so einfach. Die 8 Steigerungen sind echt nicht ohne und kommen mehr als gut in den Muskeln an. 

Ich bin froh, als es endlich vorbei ist. 

Das war heute echt hart bei dem Wetter, auch wenn wir im Schatten waren. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich eigentlich kein “Gut Wetter Läufer” bin?

Tag 101 – 65 Minuten locker + 5x100m Sprints 

Hätte heute eigentlich angestanden. Ich bin aber müde ohne Ende, fix und fertig von der Arbeit und energetisch auf einem Tiefpunkt. Nein, ich ziehe den Ruhetag von morgen vor und laufe lieber morgen.

Tag 102 – Ruhe

Da ich die Tage getauscht habe geht es also heute an die 65 Minuten plus Sprints. Ich bin immer noch platt, werfe mich trotzdem in Schale und lege los. Erst mal in den Wald und Richtung Freiham weiter. Mein Ziel ist heute der Tennisplatz in Neuaubing, da werde ich Miro einsammeln. Ich schleppe mich vorwärts, ein Rhythmus ist unauffindbar. Ich treffe einige Spaziergänger, die Luft ist irgendwie schwül. Mühsam geht es vorwärts bis zum Gnadenhof, dann umkehren und Richtung Neuaubing zum Tennisplatz zurück. Kurz vorm Tennisplatz noch die Sprints. Sehr mühsam das Ganze. Schwere Gummibeine und ein rasendes Herz sind das Ergebnis. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich brauche dringend Urlaub. 

Tag 103 – Polterabend

Und somit Ruhe. Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit Freunden vom Tennisverein. 

Tag 104 – Feiertag

Für heute stehen 75 Minuten auf dem Programm. Erst mal ausschlafen, die letzte Woche hat mich ganz schön geschlaucht. Beim Frühstück stelle ich fest, dass ich eigentlich gar keine Zeit habe, neben all den Dingen, die heute erledigt werden wollen, noch zu laufen. Aus diesem Grund fällt die Einheit heute aus. Die Welt wird schon nicht untergehen. Außerdem ist es viel zu heiß!

Tag 105 – Fahrtspiel

Und der letzte Arbeitstag! Es ist der ruhig im Büro, logisch, es ist ja Brückentag. So räume ich auf, mache eine Übergabe und verabschiede mich in meinen wohl verdienten, vierwöchigen, Urlaub. 

Zu Hause angekommen, schnell umziehen und loslegen. Erst mal einlaufen. ES IST HEISS!!!!! Und es geht los: schnell, wieder etwas langsamer, wieder etwas schneller…. alle Paceangaben liegen außerhalb meiner Komfortzone. Somit ist es auch ganz schön anstrengend. Meine Uhr hat Schwierigkeiten die Paces so schnell zu erfassen. So laufe ich fast mehr nach Gefühl. Zu Hause angekommen haut es mich um. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es war anstrengender als gedacht. Ein Glas Cola und die Auswertung betrachten. Ich habe die Paces recht gut getroffen, sehr schön.

Noch die restlichen Sachen für den Urlaub packen und ab ins Bett. 

Tag 106 – Hochzeit

Ein wunderbarer Tag und kein Training 🙂

Tag 107 – Flug nach New York

Und somit wieder kein Training.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich für die nächsten 3,5 Wochen aus diesem Blog und melde mich in meinem Reiseblog wieder. 🙂

Standard

Der erste Halbe – Endlich!

Tag 80 – 35 Minuten Shake-out-Run
Mein Körper ist erstaunlich fit. Hunger habe ich ohne Ende. Aber die Beine? Müde! Sehr müde. Hauptsächlich die Waden. Und eigentlich möchte ich nach der Arbeit einfach nur faulenzen. Den Kampf mit dem Schweinehund gewinne aber ich und somit laufe ich dann doch noch los. Die kleine Runde durch Lochham, das sollte reichen. Knappe 5 Kilometer in super slow. Ich trabe los Richtung Unterführung. Wie immer fährt die Regionalbahn vorbei. Das ist faszinierend. Egal zu welcher Tageszeit ich hier vorbei komme, es fährt immer eine Regionalbahn. Die sehe ich öfter als die S-Bahn. Wobei, eigentlich logisch, bei den ganzen Problemen die die S-Bahn immer hat.
Es ist recht schwül wie ich finde. So richtig rund läuft das heute nicht. Auch das ist irgendwie logisch nach dem Long Run gestern. Ich trabe einen kleinen Schlenker in den Stadtpark. Dort steht gerade ein Rudel älterer Damen im Kreis und stretcht sich. Genau da muss ich durch. Ich laufe jetzt nicht außen rum durchs Gebüsch sondern trabe durch die Damen hindurch. Die lachen und ich lache mit: Lasst euch von mir nicht stören.
Wieder raus aus dem Park auf die geteerte Straße. Angenehmer aber nicht gut. Ich hab das Gefühl mir explodieren die Waden. Ich laufe durch die kleinen Straßen Richtung Kreisverkehr zur S-Bahn-Station Lochham.
Was ist das? Läuft da etwa eine Katze über die recht stark befahrene Straße. Ohjeeeee, komm bloß von der Verkehrsinsel runter. Sie schafft den Weg auf den Bürgersteig. Puuuuuuh. Doch da erwartete sie eine Gruppe angetrunkener Jugendlicher. Die wollen natürlich an die Katze ran. Ich laufe erst mal vorbei und beobachte aus sicherer Entfernung, dass sie der armen Katze nichts antun. Man weiß ja nie. Die Katze ist aber klug und versteckt sich vor ihnen. Na was ein Glück, da kann ich meinen Weg ja fortsetzen. Noch bevor ich weiterlaufen kann, kommt die Katze auf mich zu und schmeißt sich mir an die Beine. Natürlich bekommt sie ein paar Streicheleinheiten. Als sie genug hat setze ich meinen Weg fort durch Lochham durch.
Spannend was es hier zu sehen gibt. Als ich unweit von unsrer Straße die Gärten anschaue, traue ich meinen Augen kaum. In einem der Gärten stehen zwei Esel. Ja richtig, Esel!!! Zum ersten Mal nehme ich diese Tatsache wahr. Am Zaun hängt sogar ein altes Schild: Vorsicht, Wachesel. Ich bin schon hunderte Male durch diese Straße gelaufen, aber die sehe ich zum ersten Mal. Ich muss schmunzeln, sowas habe ich noch nie gesehen. Meine Nachbarschaft ist wirklich spannend. Noch wenige 100m und ich bin wieder zu Hause angekommen. Unglaublich was man innerhalb von 35 Minuten alles erleben kann. Es hat sich mal wieder gelohnt den Kampf mit dem überaus lauten Schweinehund zu gewinnen.

Tag 81 – Schwimmen
Das Wetter ist etwas unbeständig. Es scheint aber dennoch trocken zu bleiben, also fahre ich wieder ins Freibad. Zum Glück ist recht wenig los und im Schwimmerbecken auch keine Ratschtanten. Es gibt nichts schlimmeres als diese Ratschtanten, die permanent nebeneinander nicht geradeaus schwimmen können und das ganze Becken unterhalten. Nein, ich habe meine Ruhe und drehe so meine Runden. Schaue ein paar Kids zu, die sich nicht von der 10m Plattform runter trauen. Das erinnert mich ein wenig an mich selbst:
In den Sommerferien habe ich so ziemlich jeden Tag im Freibad verbracht, im Kleinfeldchen. Dort gab es auch einen Sprungturm. In der Sommerzeit wurde um 15 Uhr und um 19 Uhr die 10m Plattform freigegeben. Und das Tollste: Ein Großteil der Besucher hat sich an den Beckenrand gesetzt und zugeschaut, wie mutig die Leute vom 10er springen. Das musste ich also auch mal testen. Bin ja mutig. Ich habe mich also mit Freundinnen, die schon öfter gesprungen sind, angestellt. Als ich dann dran war und oben ankam, wollte ich auf dem Absatz kehrtmachen und wieder runter gehen. Höher als gedacht. Was bescheuert ist, denn vom 7,5er bin ich schon mal runtergesprungen. Da mich die Bademeister kannten, hatte ich keine Chance den Turm wieder zu verlassen. Der Bademeister auf der Plattform sagte nur. “Komm her, komm hier her und stell dich an den Rand.” Den Tonfall kann ich an dieser Stelle schwer nachmachen aber er war sehr streng und bestimmend. Also habe ich der Treppe den Rücken zugekehrt und bin an den Rand der Plattform geschlichen. “Ich zähle bis drei und wenn du bei drei nicht unten bist…”, mehr konnte er gar nicht sagen, der Tonfall hat mich überzeugt und ich war schon gesprungen. Was soll ich sagen? Ich fands geil! Und bin direkt nochmal gesprungen.
Aber zurück in die Gegenwart: die Kids sind nicht gesprungen. Ich grinse in mich hinein in ziehe meinen runden. 1,5km in 60 Minuten.

Tag 82 – URMel Bavaria Hillsprints
Und als ich in meinen Plan schaue entdecke ich eine Nachricht der Trainerin: maximal 5 Hillsprints, dass reicht bei der Vorbelastung. Großartig sage ich dazu.
Warm ist es heute. Wir traben und schnattern Richtung Theresienwiese zur Bavaria. Dort sollen wir 8-12 mal den ganzen Berg hochsprinten. Zum Glück sind es heute nur 5. Andi will mit mir zusammen sprinten, angeblich ganz langsam, er hat eine Zerrung. Es fällt mir schwer mit ihm mitzuhalten und ich frage mich, trotz Schonprogramm, ob ich das überlebe. Wir schleichen den Berg runter und posen für ein paar Fotos. Posen können wir. Mein Herz rast. Wahnsinn. Ein paar der Jungs sind gut drauf und rennen wie verrückt. Ist wohl wie in der Schule, wer als erster an der Tischtennisplatte ist….
Andi motiviert mich fleißig, irgendwie schaffe ich meine 5 Runden. Meine Aufgabe nun? Die anderen motivieren. Das kann ich. Arbeite nicht umsonst nebenher als Kurstrainerin im Fitnessstudio.
Da der Zirkus des Horrors auf der Theresienwiese gastiert, machen wir dort heute ein Zombiefoto. Ein Mann spricht uns noch an, was das für eine Veranstaltung ist. Wir erklären ihm, dass es eine offene und kostenlose Laufgruppe ist, die sich jeden Mittwoch trifft. Er möchte mal vorbeischauen und schenkt mir zur Stärkung eine Tafel Schokolade. Ich bedanke mich und laufe weiter. Ja ich weiß Mama, man nimmt keine Süßigkeiten von fremden Männern an. Ich wollte ja nur nicht unhöflich sein.
Am Ende liefern Marc und ich uns noch ein kleines Steigerungsduell. Schön wars.

Tag 83 – Ruhe
Das mögen wir! Mein Schweinehund und ich!
Der Tag ist wunderbar. Schön warm. Miro hat Miesterschaftsturnier. Nachdem ich den halben Vormittag mit Nichtstun verbracht habe, fahre ich zum Tennisplatz und schlage noch ein paar Bälle. Einer der Jungs schuldet noch ein Fassl, welches auch direkt besorgt wird. Ok, wir bleiben noch eine Weile und genießen den freien Tag.

Tag 84 – Tempotraining
Und was für eins!!! 3×100 m Steigerung (halb so wild) und dann: 2x (12x100m Sprint/ 50m Trabpause). Ein kleiner Zusatz steht dabei: Ermüdungswiederstand. Das kann ja was werden…
Es ist ein sehr heißer Tag, also gehe ich nach der Arbeit erst mal gemütlich mit einer Freundin Kaffee trinken und mache noch ein paar Besorgungen. Es ist noch viel zu warm für so eine Einheit. Zu Hause angekommen ist es schon ca. halb 8. die Temperaturen sind erträglicher, ich würde mich nur so wahnsinnig gerne drücken. Denn ich weiß genau, dass es echt heftig wird.
Miro kocht schon fleißig, je schneller ich also fertig bin, desto schneller gibt es auch leckeres Essen.
Schnell umziehen, Wasser umfüllen uns loslaufen. Da sich der Weg zu Obi und Metro einfach so gut bewährt hat, laufe ich wieder dort hin. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und “change” ist bekanntlicherweise “bad”.
Irgendwie hat meine Uhr bei den 100m Steigerungen schon ihre Schwierigkeiten, also beschließe ich, die Intervalle händisch zu messen. Bleibt mir ja nichts anderes übrig. Die Steigerungen gehen ganz gut. Ich lege los mit der ersten Runde:
1 – Bloß nicht gleich verpulvern.
2 – Nicht so durchbrechen.
3 – Ein Auto parkt am Rand, ein älterer Herr mit Hund steigt aus. “Sie sind ja schnell unterwegs”, spricht er mich an. “Ja, Intervalltraining”, meine Antwort. Mehr bringe ich nicht raus, ich habe ja nur 50m Trabpause um Luft zu holen. “Ohje, Ohje”, antwortet der alte Herr und spaziert mit seinem Hund davon. Der guckt bestimmt gleich doof, wenn ich an ihm vorbei renne.
4 – Bloß nicht über den Hund fallen.
5 – Alter Schwede!!!!!!!!!!!!!!
6 – Ich bin erst bei der Hälfte. Die Pumpe läuft auf Hochtouren. Die Beine hingegen sind noch relativ fit.
7 – Bäääääh. Noch 5 davon.
8 – Wie soll ich bitte gleich ein zweites Set schaffen?
9 – Ernsthaft! Wie?
10 – Ich maaaaaaag das niiiiicht!
11 – De letzten Zwei. Gleich vorbei!
12 – Durchziehen. DURCHZIEHEN!!!!!
100 Meter können so verdammt lang sein.
Endlich ist die erste Runde geschafft. Diese Intervalle machen mich fertig. Ob die Profi-Sportler auch mal so kämpfen mussten? Kaum vorstellbar. Die Pumpe beruhigt sich erstaunlich schnell, die Beine machen sich jedoch langsam bemerkbar. Ich trinke ein paar schlucke Wasser und gehe im Kreis. Begrüße kurz die schüchterne beige Katze, die mir immer ganz irritiert zuschaut, wenn ich hier hin und her renne. Ich gönne mir 8 Minuten Pause. Die Beine sollen sich kurz erholen können.
Noch eine Runde… Wahnsinn. Ob ich das überlebe? Und ich hab doch schon so einen Hunger!!!! Die 8 Minuten vergehen viel zu schnell und ich mache mich, mehr oder weniger, bereit für Runde 2:
1 – Bäääh. I moag nit!
2 – Das musst du jetzt durchhalten!
3 – Ein älteres Pärchen kommt mir spazierend entgegen: “Sie sind aber schnell unterwegs”, spricht der Herr. Die Dame lächelt. “Ja, Intervalltraining, deswegen!”, antworte ich. Zu mehr fehlt mir die Luft. “Ach herrje”, antwortet der Herr noch bevor sie ihren Weg fortsetzen.
4 – Ich überhole die Beiden, sie lachen, ich muss auch lachen.
5 – Ich frage mich, ob Sandra auch so leidet bei Intervallen?
6 – Halbmarathon, Halbmarathon, Halbmarathon!
7 – MARATHON, Frankfurt, MARATHON!!!
8 – Ich bekomme mit einer ordentlichen Wucht zu spüren, warum die Einheit Ermüdungswiederstand heißt: die Beine fühlen sich an wie Gummi! Das sie mir noch gehorchen ist ein Wunder! Es sind nur noch 4, die Beine werden schon durchhalten. Dafür trainierst du schließlich.
9 – Nicht fallen, nicht stolpern, nicht fallen, nicht stolpern!
10 – Gleich geschafft!!!!
11 – Die letzten zwei!!!!!!
12 – Der letzte!!!!! DER LETZTE!!!!!!!!!!!!
Ich könnt kotzen. Diese Einheiten sind echt der Knaller. Ich schnaufe wie blöd.
Die Einheit hätten wir also geschafft. Erkenntnis: Auch mit Gummibeinen geht noch was.
In der Auswertung sehe ich, dass das zweite Set sogar schneller war, als das Erste. Auch interessant, angefühlt hat es sich irgendwie anders herum. Ich bin glücklich, dass ich solche Einheiten doch irgendwie besser schaffe, als zunächst gedacht. Mein Kopf ist doch stärker, als ich denke. Ab nach Hause. Miro hat gekocht, dass hebt die Stimmung direkt.

Tag 85 – Wohl verdiente Ruhe. Die Beine brauchen eine Pause.

Tag 86 – 90 Minuten easy
Und wisst ihr was? Ich laufe dieses Mal nicht alleine, sondern bin in Begleitung von Miro. Sehr schön. Die letzten Tage war es wirklich sehr warm. Damit es nicht zu heiß wird, wollen wir spätestens um halb 10 loslaufen. Wasser und Quetschbeutel habe ich eingepackt und los geht’s. Erst mal Richtung Wald. Puuuh, in der Sonne ist es echt schön brutal warm. Gut, dass wir uns eingecremt haben. Es kommen uns ein paar Läufer entgegen. Ein paar, die richtig gut ausschauen und auch freudig grüßen. Wieder welche, die einfach nur böse dreinschauen, über die wir im Nachgang lachen müssen. Gedankenübertragung funktioniert bei uns gut.
Es geht weiter auf die Freihamer Allee. Einige Radlfahrer älteren Semesters kommen uns entgegen, teilweise sehr griesgrämig. Was ist denn heute los? Es ist doch so ein wundervoller Tag.
Ein Läufer überholt uns von hinten. Nassgeschwitzt mit super Duftnote. Ich liebe Baumwollshirts…
Und weiter geht es Richtung Gnadenhof. Auch heute grasen die Kühe wieder friedlich auf der Weide. Ich tue mich heute etwas schwer mit der Hitze. Miro passt sich meinem Tempo an und zieht nicht davon. In der Sonne ist es einfach viel zu heiß, ich freue mich, dass wir gleich in den Wald kommen. Durch die Unterführung durch und schon sind es gefühlt 5 Grad weniger. Im Wald ist es schattig und angenehm. Miro will mir heute die Route von letzter Woche in “richtig” zeigen. Richtig ist Definitionssache. Denn ihr wisst ja: Alle Wege führen auf die Maria-Eich-Straße. So will es das Gesetz!
Also traben wir weiter und kommen an der Landstraße an, die ich kürzlich überquert haben ein Blick nach rechts, in die Richtung, in die Miro läuft und siehe da, eine Unterführung. Die ist doch was für Schwammerl. Also gut, ab in die Unterführung. Toll ist an dieser, dass aus der Decke ein paar Anschlüsse rausschauen und einfach keine Lampe montiert wurde. Wir philosophieren darüber, was hier wohl schief gegangen ist. Miros Theorie: Die Kraft hat nicht mehr gereicht noch eine Lampe zu montieren.
Meine Theorie: Es ist erst keiner hergefahren um eine Lampe zu montieren, denn hier kommt im Dunkeln sowieso keiner mehr durch den Wald sondern eher über die Landstraße oben drüber. Wir lachen und führen unseren Weg fort Richtung Waldsanatorium.
Bis hier hin bin ich das letzte Mal auch gekommen und habe auch von hier den richtigen Weg eingeschlagen. Danach habe ich mich etwas vertan und Miro zeigt mir, wo ich hätte abbiegen sollen. Ganz ehrlich? Ich habe das bereits wieder vergessen. In diesem Wald kann man sich gar nicht richtig verlaufen.
Am Kloster ist es sehr ruhig. Ob die heute gar nicht singen? Doch als wir vorbeikommen sehen wir, dass schon viele Menschen auf den Bänken sitzen. Aha, wir sind also zu früh dran. Dann können wir hier wenigstens heute nicht stören.
Weiter geht es auf den Wallfahrerweg zurück nach Lochham. Mir geht es gut, die Waden sind etwas müde, aber ansonsten alles bestens. Ich schaue auf Miros Puls: 123. 123????????? Wer hat denn bitte beim Laufen so einen niedrigen Puls? Ich bin bei 160!!!! Ich bin so aus der Fassung, dass ich das debattieren anfange, was Miro natürlich mit einem Lachen entgegen nimmt.
Wir begegnen heute vielen Leuten, wir grüßen sie, sie grüßen uns. Es ist tatsächlich schön, nicht alleine zu laufen. In Gesellschaft ist es auch mal ganz schön. Wir kommen an den Waldrand und auf die Maria-Eich-Straße. Fast geschafft.
Auf der Straße ist es unerträglich heiß. Zum Glück sind es von hier nur noch knappe 10-15 Minuten bis nach Hause. Wir laufen durch die Straße, in der gefühlt jeder einen Pool hat und denken uns ein paar Geschichten zu den Leuten aus, denen wir so begegnen. Das ist wirklich unterhaltsam und so vergehen die letzten Meter wie im Flug. Wir gönnen uns erst mal ein Glas Cola auf der Terrasse im Schatten. Ich bedanke mich für die tolle Begleitung und Führung der “richtigen” Route. Nur noch eine Woche bis zum ersten Halbmarathon. Mit dem habe ich eine Rechnung offen. Nachdem ich das Thema im Oktober ja schon abhaken wollte. Ich bin entspannt und fühle mich gut. Kein Grund zur Aufregung.

Tag 87 – Ruhe
Muss auch mal sein.

Tag 88 – 60 Minuten schwimmen
Ich frage die Trainerin ob Tennis auch ok ist. Sie gibt mir grünes Licht, unter der Bedingung, dass ich nicht zu viel stark abbremse, dass belastet die Beine zu sehr. Keine Sorge, ich bekomme die Bälle sehr sauber zugespielt, da muss ich nicht so viel machen. Es macht auch wieder jede Menge Spaß, ein paar Bälle zu schlagen und zu sehen, dass die Vorhand immer besser wird. Kontrolliert sind die Bälle nicht, aber sie kommen zumindest im Spielfeld an. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben.

Tag 89 – URMel dre(ie)ckige Runde
Heute stehen knappe 8km auf dem Programm. Quer durch die Stadt, an der Isar entlang und wieder zurück. Mein rechter, seitlicher Oberschenkel ist komplett blau. Nicht vom Tennis, nein, sondern von der Physio am Vortag. Richtig mies und es tut auch ganz schön weh. So krebse ich als “Besenwagen” mit zwei anderen URMels hinter der Gruppe her. Es ist mir auch eindeutig zu schwül. Ich hoffe, dass Wetter ist am Sonntag etwas kompatibler für mich, denn ich bin definitiv extrem wetterfühlig. Fix und fertig kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Knappe 7km, Das reicht für heute.

Tag 90 – 35 Minuten locker
Und ich habe so gar keine Lust. So gar nicht. Ich bin gestresst von der Arbeit und mein Kreislauf tut sich mit dem ewigen Wetterumschwüngen echt schwer. Noch dazu habe ich müde Waden. Warum eigentlich? Ich habe gestern nicht nachgedacht und das erste mal seit Ewigkeiten den ganzen Tag Pumps getragen. Sehr klug so kurz vor dem Wettkampf. Miro begleitet mich und darf sich 35 Minuten lang mein Gemecker anhören. Die Waden wollen einfach nicht. “Ich laufe heute keine Sekunde länger… wehe du verläufst dich”. So in etwa… und noch ein bisschen mehr. Wir drehen eine kleine Runde durch den Wald und kommen nach 36 Minuten zu Hause an. 1 Minuten zu viel. ZU VIEL!!!! Heute lief es nicht so gut… so Tage gehören dazu.

Tag 91 – Ruhe
Meine Waden sind in tiefer Dankbarkeit

Tag 92 – Reizsetzung
1,5km locker – 4x100m Steigerung – 1km locker
Klingt machbar. Da wir uns heute auf den Weg nach Heidelberg machen und auf eine Hochzeit eingeladen sind, wird das Training gleich in der Früh absolviert. Miro hat ein ähnliches Training und begleitet mich. Eine kurze Runde durch Lochham und zum Weg zu Obi und Metro. Es sind schon viele Autos unterwegs, man merkt, dass die Pfingstferien losgehen.
Los geht’s zur ersten Steigerung. Mein Kreislauf ist eindeutig noch nicht auf der Höhe. Die zweite Steigerung: wieso kaufen da Leute bei Metro ein? Ach ja, es ist Samstag und nicht Sonntag. Macht Sinn. Ich schnaufe wie eine alte Lokomotive.
Die dritte Steigerung. Ist das ätzend.
Die Vierte und zum Glück letzte. Reicht für heute. Will ja morgen fit sein. Kurz auslaufen und was leckeres frühstücken. Eine schöne Hochzeit feiern und nach Heidelberg weiterfahren. Morgen Abend wird es ernst. Ich freue mich!

Tag 93 – Halbmarathon die Erste
An sich habe ich gut geschlafen. Auch ausreichend, trotz der späten zu Bett geh Zeit, da wir noch auf einer Hochzeit waren. Der Lauf ist zwar erst am Abend, aber trotzdem mache ich mir zum Frühstück den geliebten Schleim mit Leinsamen. Einen halben Apfel, einen Espresso und ein Glas Saft.
Das Wetter? Es hat in der Nacht viel geregnet, es regnet immer noch ein bisschen und es ist schön kühl. PERFEKT! Den Vormittag verbringen wir ziemlich entspannt, also ich für meinen Teil war sehr entspannt. Miro hingegen wuselt gefühlt ständig durch die Wohnung und fragt mich: “Bist du aufgeregt?”.
“Nein”, so meine Antwort.
“Wirklich nicht?”, die Nachfrage.
“Nein, wirklich nicht.”, so wieder die Antwort.
Und ich meine das auch ernst. Mir geht es gut, ich bin tiefen entspannt. Ich weiß, dass ich es schaffe. Die Frage ist nur wie und wie gut oder schlecht es mir ergeht. Aber es besteht kein funken Zweifel, dass ich nicht über die Ziellinie komme. Laufend! Die Frage, wer hier aufgeregt ist klärt sich von selbst, wenn man sich anschaut, wer durch die Wohnung wuselt und wer entspannt im Sessel sitzt….
Zum Mittag gibt es eine Pasta mit Zucchini, Tomate, Karotte und etwas Lachs. Das füllt nochmal die letzten Speicher, die nicht ganz voll sind.
Wir werden netterweise mit dem Auto nach Mannheim gefahren. Das Wetter? Die Sonne knallt vom Himmel. Wahnsinn, wie schnell es sich wieder aufgeheizt hat. Ich bin ein wenig besorgt. Das Wetter vom Morgen hat mir besser gepasst. Aber immerhin geht genug Wind, der auch schön kühl ist.
An der Startlinie warten die Kids nervös auf einen der vielen Bambini-Läufe. Im Kongresszentrum angekommen holen wir uns erst mal die Startunterlagen. Interessant zu sehen: Es gibt bei der Startnummernausgabe jede Menge Schilder mit Halbmarathon und genau ein Einziges mit Marathon und 5 Kisten darunter. Ok, der Fokus hier scheint dem Halbmarathon zu gelten. Die Strecke führt 21km durch Mannheim und am Neckar entlang zurück zum Ausgangspunkt; dem Wasserturm. Der Marathon geht am Wasserturm vorbei und führt dann 21km durch Ludwigshafen. Die Städte teilen sich die Veranstaltung.
Wir schauen uns die Stände auf der kleinen Messe an, lassen nochmal ein bisschen Geld bei CEP liegen und setzen uns raus in die Sonne und genießen den Trubel um uns herum. Die 10km Läufer sind auf der Strecke und in den nächsten 12 Minuten wird der Führende im Ziel erwartet. Ich überlege, ob ich vorher noch was essen soll, oder ob ich genug hatte. Ich beschließe, mir noch einen meiner Quetschbeutel zu gönnen, mit Hafer und Obst. Obwohl ich die eigentlich als unnötige Müllproduktion sehe. Aber ein anderes Problem beschäftigt mich gerade mehr, als der viele Müll, den Deutschland produziert: meine Blase. Ich renne schon den ganzen Tag. Obwohl ich weder zu viel noch zu wenig Wasser hatte die letzte zwei Tage. Auch am Kaffee kann es nicht liegen. Doch nervös? Eigentlich nicht. Miro scheint das selbe Problem zu haben. Der 10km Sieger kommt an, nach nur 33 Minuten. Kurz darauf kommen auch Nummer zwei und drei ins Ziel. Wir beobachten noch ein wenig das Geschehen, rennen noch mal ins Kongresscenter (ihr wisst wieso) und machen uns 20 vor 6 auf den Weg zur Startaufstellung.
Diese ist etwas entfernt vom Startbogen selbst, auf Grund von Platzmangel. Es ist fast 18 Uhr: In einer halben Stunde geht es also los. Aufregung? Irgendwie immer noch nicht. Aber meine Schuhe sitzen heute einfach nicht gut. Ich binde sie nun schon zum fünften Mal neu, weil sie gefühlt zu eng sind. Das nervt mich irgendwie. Miro tribbelt nervös herum. “Ich muss mich viel weiter vorn einordnen.”, sagt er. “Dann mach das doch, wir sehen uns später im Ziel!”, so meine Antwort. “Sicher?”,die Rückfrage. “Ja doch!!!”, meine Antwort. Irgendwie wollte ich jetzt meine Ruhe haben. Er wird sein großes Projekt Sub 2 schon schaffen! Ein kurzer Abschiedskuss und schon stehe ich alleine im Startblock, der sich immer weiter füllt. Ich sehe die Pacer seitlich neben dem Startblock: 2:15 HM und 4:30 M. Ich beschließe, sie ein wenig im Auge zu behalten. Um die 2:15 sollte für mich heute drin sein. Fühle mich ja gut. Wenn nur die Blase aufhören würde Signale an mein Gehirn zu senden. Ich muss nämlich schon wieder. Kann gar nicht sein, dass Signal wird jetzt ignoriert!!!
Es wird immer Enger, ein paar Gespräche um mich herum sagen mir, dass die Personen sehr aufgeregt sind. Ein Teil möchte einfach nur ankommen. Ein paar Leute reden schlau daher. Ich schaue mir die Startnummern um mich herum an: Ein Großteil läuft den Halbmarathon, was ich an der blauen Farbe erkenne. Endlich ist halb 7 und der erste Startschuss fällt. Auf der Gegenseite der Straße, auf der wir gerade stehen, sehen wie die ersten Läufer vorübereilen. Applaus im Startblock. Natürlich klatsche ich auch, aber es könnte jetzt auch langsam mal für mich losgehen. Durch die Lautsprecheransagen bekommen wir mit, wie der nächste Block auf die Strecke gelassen wird und kurz darauf vorbeieilt. Und der nächste. Kurz vor mir wurde der Block nochmal geteilt, für die Läufer, die den Marathon in 4:15 laufen. Ich sehe mich neben den Pacern stehen. Der HM Pacer trägt einen Schottenrock. Ok, der ist auffällig, den findet man wieder.
Und ehe ich mich versehe wird mein Block an die Startlinie geführt. Naja, geführt ist nicht korrekt: wir haben wenig Zeit um die ca. 500m zur Startlinie zu schaffen. Wir traben locker an die Startlinie. Ich beobachte die Zuschauer an den Seiten und auf der Tribüne. Noch 20 Sekunden. Und siehe da, mein Herz macht einen kurzen Aussetze. Es geht also endlich los. Keine Zeit mich in Gedanken zu verlieren, denn schon zählen wir alle mit dem Sprecher runter: 10, 9, 8…… der Klassiker: Wir sind eine Sekunde schneller fertig mit zählen. Startschuss für unseren Block und los geht’s. Die Leute jubeln, dass Feld rollt los. Ich beschließe zunächst ohne Musik zu laufen um das ganze auf mich wirken zu lassen. Um den Wasserturm herum und auf die Augustenanlage, auf der wir eben noch standen. Die Pacer sind zu schnell wie mir meine Uhr verrät. Die holen sich wohl etwas Puffer. Ich lasse etwas Abstand zwischen uns, denn ich will mich nicht direkt verpulvern. Mit guten 200-300 Meter Abstand sehe ich sie vor mir. Ich ignoriere die Uhr erst mal und lasse die Situation und den Start auf mich wirken. Bei km 2 stehen die ersten Dixi-Klos. NEIN, beim ersten HM wird nicht direkt das Klo aufgesucht. Du läufst jetzt erstmal weiter. Was mir direkt nach dem Start schon aufgefallen ist: Es ist echt warm und ich Schwitze erstaunlich viel. Ich beschließe, bei jeder Station Wasser oder Elektrolyte zu mir zunehmen. Irgendwie muss ich den Haushalt aufrecht erhalten. Da das Zuschauerfeld dünner wird und mich meine Blase nervt, gibt es jetzt erstmal Musik. Bei km 4 treffe ich auf die erste Verpflegungsstation. Ich schnappe mir ein Stück Banane und trinke ein Wasser. Wobei trinken: Der Becher ist so voll, so dass ich erst mal Wasser einatme.
Kurz husten und schauen, ob es Seitenstechen gibt. Nein, alles gut. Die Pacemaker sehe ich immer noch vor mir, also alles prima. Von der Hauptstraße runter kommen wir auf einen Feldweg an den eine riesige Wiese grenzt die am Schallschutz der Autobahn endet. So traben wir hügelig parallel zur Autobahn Richtung Seckenheim. Durch das vergleichsweise kleine Starterfeld kann ich ganz in Ruhe mein Tempo laufen und kann in Ruhe überholen. Das Lied Alone von Alan Walker dringt an mein Ohr. Nein, alone bin ich hier ganz und gar nicht. Und das ist auch gut so.
Einmal links abbiegen und schon landen wir mitten auf einer kleinen Straße im Wohngebiet von Seckenheim. Ein herrliches Bild: So ziemlich jedes Haus macht eine Hof/Garten/Grillparty und feuert die Läufer an. Kinder stehen am Rand und wollen abklatschen, Musik ertönt aus einem der Häuser. Die Leute jubeln und klatschen, schlagen teilweise auf Töpfe, auf Gieskannen, auf so ziemlich alles, was Krach macht. Ich muss lächeln, ich würde es als Anwohner genau so machen.
Ein paar Anwohner verteilen Wasser, wieder Andere haben Wannen und Eimer mit Wasser für die Schwämme bereit gestellt, andere verteilen Knabbereien… die Stimmung trägt mich Schritt für Schritt weiter. Ich bemerke wie ich spürbar langsamer werde, meine Oberschenkel sind auf einmal sehr müde. Jetzt schon? Ich kann es gar nicht nachvollziehen. So streite ich eine Weile mit Ihnen:
“Wir sind müde!”
“Nein, seid ihr nicht”
“Doch sind wir”
“Nein, seid ihr nicht, wir haben noch einige km vor uns.”
Ich lasse die Pacemaker ziehen und verliere sie ganz aus den Augen und versuche weiterhin entspannt für mich zu laufen.
Bei der zweiten Verpflegungsstation gönne ich mir Wasser und Elektrolyt. Vielleicht hilft es ja. Dieses Mal gehe ich um in Ruhe zu trinken. Elektrolyt möchte ich nicht einatmen. Ich höre laute Musik und ich erkenne sie auch: Es ist Explode von Jordan Baker. Schöne Technobeats. Die sind so laut, dass ich sie durch meine Kopfhörer durchhöre. Etwa 500m später komme ich an der Quelle der lauten Musik vorbei: Die Feuerwehr von Seckenheim hat vor ihrer Wache große Geschützte aufgefahren. Die Leute feiern und feuern an. Ich lächle den Feuerwehrmännern zu und trabe weiter. Das Lied begleitet mich noch weitere 500m, was die müden Beine etwas vergessen macht.
Es geht links herum und kurz darauf einen steilen Anstieg hoch, erneut links herum. Wir befinden uns auf dem Rückweg.
Rechts von mir fließt der Neckar, wir werden nur von einer breiten Wiese getrennt. Zum Glück geht die Sonne langsam unter und es ist nicht mehr all zu heiß. Ich passiere ein weiteres km Schild. Diese habe ich vorher kaum wahrgenommen. Auf diesen stehen nicht nur die gelaufenen Kilometer, sondern auch Anspornsprüche im ansässigen Dialekt. Ich finde das irgendwie charmant und nehme mir vor, die weiteren Schilder zu lesen. Ist ist sehr ruhig um mich herum, einige gehen schon, es gibt fast keine Zuschauer. Ich bin also alleine mit meinem Kopf. Treibe ihn aber fleißig an. Es besteht kein Zweifel, das ich durchkomme. Ich kämpfe dennoch mit den müden Beinen. Ein weiterer Anstieg und einer ruft mir zu: “Komm schon, dass ist nur ein kleiner Anstieg.” Ich versuche zu lächeln. Irgendwie brodeln einige Emotionen in mir, denn ich würde gerne losheulen. Wieso weiß ich nicht genau. Ich vertage das Geuhele und befehle meinem Kopf, nicht so viel unnötig Wasser in Geheule zu verlieren. Er gehorcht, das Gesicht bleibt trocken.
Durch eine Kleingartenanlage geht es Richtung Fernsehturm. Kurz vor der nächsten Verpflegungsstation gönne ich mir ein Dextro Energy Liquid mit Koffein. Das sollte die müden Beine aufwecken.
An der nächsten Verpflegung ist es sehr eng, da hier sowohl rechts als auch links alles voller Staffelläufer ist, die verzweifelt ihre Teamkollegen suchen. Es gibt nochmal ein Stück Banane und ein Elektrolyt. Ein Herr, der mir bei km 2 schonmal aufgefallen ist, rennt erneut auf ein Dixiklo. Zum Glück hat sich meine Blase komplett beruhigt. Oder ich hab einfach alles ausgeschwitzt. Eins von beidem… oder auch beides. Ich trabe weiter und spüre neue Lebensgeister. Gebe den Kindern High Five und freue mich, dass sie sich darüber so freuen. Meine Beine werden wieder schneller. Es sind auch nur noch 3 km. Auf meinen Ohren ertönt Bad Romance von Lady Gaga und ich feiere eine Party in meinem Kopf. Dieses Lied hat uns schon viele Jahre auf vielen Partys und unzähligen schrägen Tanz- und Gesangseinlagen begleitet. Die Freude ist groß, denn bald bin ich im Ziel und habe es geschafft. Meine Beine scheinen zu fliegen. Nochmal ein bisschen Wasser und schon befinden wir uns wieder in der Innenstadt von Mannheim. Auf der einen Seite des Wasserturm entlang Richtung Planken, den Einkaufsstraßen. Hier wird aufgeteilt: Links herum für die Halbmarthonis Richtung Wasserturm zurück und rechts entlang für die Marathonläufer nach Ludwigshafen. In diesem Moment bin ich sehr denkbar, dass meine Reise heute bei 21,1 km endet. In der Nähe sehe ich eine Guggemusik die alles gibt. Das erinnert mich so sehr an Karneval und ich habe in diesem Moment richtig Lust einfach loszutanzen. Die Beine ziehen nochmal an und ich fliege gefühlt. Die Leute stehen dicht an den Absperrungen und klatschen begeistert. Ich lächle in die Runde. Wobei, lächeln kann man es wohl nicht nennen, wie sich später herausgestellt hat.
Ich sehe den Zielbogen und die rote Uhr. Schaue auf die Tribüne, Strecke die Arme nach oben und bin endlich im Ziel angekommen. Der erste Gedanke: Wie? Es ist jetzt schon vorbei? Das wars schon? Ich bin irritiert über diesen Gedanken. Die Beine sind müde und fühlen sich etwas gummiartig an. Mir wird eine Medaille um den Hals gehängt und Miro empfängt mich mit einem Becher Wasser. Ich bin mit der Situation irgendwie überfordert. Ich frage nach seiner Zeit. 1:58, die Sub 2 wäre somit geschafft. Ich futtere und trinke mich durch den Zielbereich durch. Sehe nochmal den Pacer im Schottenrock, lasse die Stimmung auf mich wirken. Wir holen unser Gepäck im Congresscenter ab und stiefeln die Stufen zurück nach oben. Autsch, das tut weh!!! Mein Gesicht spricht Bände, denn ein entgegenkommender Herr sagt zu mir: “Genieße den Schmerz.” Darüber muss ich grinsen.
Kurzer Zeitcheck und After Run Run zum Hauptbahnhof, damit wir die S-Bahn noch schaffen. Ein paar weitere Mitstreiter sitzen ebenfalls im Zug und wir unterhalten uns kurz. Ich muss das jetzt erst mal alles sacken lassen und verdauen.

Die offene Rechnung mit dem Halbmarathon wurde mit nur 7,5 Monaten Verzögerung beglichen. Ich habe nun gut eine Woche gebraucht um die Eindrücke erst mal alle zu verdauen und das Erlebte sacken zu lassen. Und ich bin glücklich. Glücklich und Stolz zugleich, denn nach 4 Monaten kompletten Sportverbot und ewigem Hin und Her bin ich verletztungsfrei durchs Training gekommen und habe den ersten Halbmarathon gefinished. Und die Zeit lässt sich ebenfalls sehen. Das nächste Projekt steht auch schon in den Startlöchern: In 142 Tagen werde ich an der Startlinie in Frankfurt zum ersten Marathon stehen.

 

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Wenn die Motivation auf der Strecke bleibt

Tag 66 – Ruhe
Aber eigentlich fühle ich mich echt gut. Beine fit, Körper fit, nicht müde.

Tag 67 – 45 Minuten easy
Sollte eigentlich kein Problem sein. Vorher  jedoch noch eine Runde Physio. Mein Rücken wird einmal komplett durchgeknackst, dass ist echt ätzend!
Heute Abend gibt es zur Feier des 2. Hochzeitstages indisches Essen beim Lieblingsinder. Yiiipiieh. Aber vorher noch eine Runde laufen.
Ich entscheide mich für den Wald, denn mit diesem habe ich noch eine Rechnung offen. Also trabe ich gemütlich los. Doch was ist da los? Die Waden sind komplett hinüber, müde und einfach platt.
Da sitzt mir wohl doch der WFL-Run noch in den Beinen. Das hätte ich echt nicht erwartet. Hilft aber nichts, Zähne zusammen beißen, 45 Minuten sollten schnell vorüber gehen.
Im Wald sind noch einige weitere Läufer unterwegs. Sind aber von der Kategorie “Ich bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt” und somit ignorieren mich diese. Na dann halt nicht. Meine Waden gehen mir tierisch auf die Nerven, so richtig müde. Dieses Mal entscheide ich mich, nach der Hälfte der Zeit links herum abzubiegen und dann nochmal links abzubiegen. Dann sollte ich ja parallel zum Ursprungsweg laufen. Ich überhole eine ältere Spaziergängerin, die mir ein strahlendes Lächeln schenkt. Ich schenke ihr natürlich auch ein lächeln und trabe weiter. Ich laufe am Waldrand an einer Wiese entlang. Schön hier, aber der Boden ist nicht ohne. Mit den ganzen Löchern muss man wirklich aufpassen. Eine Verletzung wäre absolut fatal.
Da meine Waden sich einfach mit der Situation nicht abfinden wollen, läuft es auch einfach nicht rund. Glücklicherweise sind es auch nur noch 15 Minuten. Ich laufe so dahin… und komme SCHON WIEDER an der Maria-Eich-Straße raus. Das kann doch jetzt nicht wahr sein?! Wieso bin ich schon wieder hier gelandet?
Man sollte “Alle Wege führen nach Rom” in “Alle Wege führen auf die Maria-Eich-Straße” umbenennen. Hätte hier nicht parallel zur Straße ein Weg verlaufen sollen? Na was solls, da die Waden so müde sind, ist der Asphaltweg wohl auch die bessere Variante. An der S-Bahn-Station Lochham biege ich ab und laufe durch eine ruhige Wohnstraße. Ich schaue mir die Häuser und Gärten an. Hier hat auch gefühlt jeder einen eigenen Pool im Garten. Notiz an mich: Neue Nachbars-Freundschaften in Lochham knüpfen. Dann kann ich im Sommer immer plantschen.
Endlich komme ich zu Hause an. Was für eine Quälerei. Es ist einer der Tage, an denen schon 1 km schlimmer sein kann als an manch anderen Tagen 10 Kilometer.
Kurz darauf kommt Miro mit Blumen nach Hause und sofort ist die Stimmung wieder besser. Ich freue mich auf das indische Essen, dass habe ich mir nach so einer Quälerei echt verdient!

Tag 68 – URMel  Day in Mitteleasy
Interessante Definition dieses Mitteleasy. Nach dem Desaster gestern, weiß ich gar nicht, was meine Waden dazu sagen, heute wieder Sport zu machen.
Beim URMel Kaffeeklatsch sind noch ein paar Andere eher unmotiviert. Na dann bin ich wenigstens nicht alleine. Aber zunächst applaudieren wir unserem geliebten Coach Sebastian für seinen herausragenden Sieg beim WFL-Run. Sensationell. Er begleitet uns heute auf dem Fahrrad. Ich trabe also mit den URMels durch den Englischen Garten. Den Waden geht es schon mal besser als gestern. Aber so wirklich Lust habe ich immer noch nicht. Darüber hinaus laufe ich heute sehr unrund und irgendwie nicht konstant in einem Tempo. Mal zu schnell, dann wieder langsamer. Ich nenne das jetzt einfach mal mitteleasy. Irgendwann kommt Krzysztof an mir vorbei und zieht mich mit sich. Er versucht mich ein wenig zu motivieren. Wir quasseln etwas und irgendwie vergesse ich endlich, dass ich heute eigentlich gar keine Lust habe. Im Hofgarten gibt es noch ein paar Übungen für die Technik und die Mobilisation. Wir beide quatschen immer noch pausenlos. Es geht zurück zum Parkcafé und er weicht nicht von meiner Seite. Ich freue mich und bedanke mich am Ende, dass er bei mir geblieben ist, wo er doch eigentlich viel schneller laufen kann. So wurde aus einem Tag, an dem ich keine Lust auf irgendwas hatte, doch wieder ein Tag der netten Begegnungen. #Crewlove

Tag 69 – 35 Minuten easy
Schon wieder? Ist irgendwie nicht so meine Woche. Ich weiß auch nicht so genau was los ist, aber es fällt mir sehr schwer mich zu motivieren. Mein Körper ist dazu auch noch ganz schön abgeschlafft. Das Wetter macht mir sehr zu schaffen. Das ewige rauf und runter ist wirklich unerträglich. Jeden zweiten Tag habe ich Kopfschmerzen ohne Ende, ich schlafe sehr schlecht und bin tagsüber in der Arbeit auch sehr unausgeruht und auch nicht sehr produktiv. Das Teufelchen will schwänzen. Das Engelchen macht mich darauf aufmerksam, dass es doch nur 35 Minuten sind und die kurze Runde durch Lochham schnell erledigt ist. Also doch in Sportklamotten schmeißen und lostraben. Meine schlechte Laune bleibt jedoch erhalten und so richtig bekomme ich den Kopf heute auch nicht frei. Nicht mein Tag, nicht meine Woche. Ich schleppe mich die 35 Minuten durch die Wohngebiete und komme, immer noch schlecht gelaunt, wieder zu Hause an. Die Herzfrequenz will auch nicht wirklich sinken, was mir meine Uhrauswertung verrät. Ich gönne mir jetzt eine Runde Netflix, das hebt die Stimmung vielleicht etwas an.

Tag 70 – Ruhe
Eigentlich steht freitags immer Tempotraining an. Da ich aber am Sonntag einen 7,5 Kilometer in Vollgas laufen soll, wird darauf heute verzichtet.
So verbringe ich den Tag mit Arbeit, einem Friseurbesuch und einer Stabieinheit am Abend. Die mache ich immer sehr gerne und macht mir, in den meisten Fällen, auch nichts aus. Es sei denn, es gibt Ausfallschritte. Die sind doof! DOOOOOOOF!

Tag 71 – Reizsetzung
Eine Minieinheit. Wie vor jedem Lauf. Kurz einlaufen, ein paar Steigerungen und dann kurz auslaufen. Ihr wisst sicher, wo ich jetzt hinlaufe? RICHTIG! Zu Obi und Metro.
Es ist heute schon wieder eindeutig zu warm zum Laufen. Ja, auch für diese kurze Einheit.
Es riecht nach Grill… aber nicht gut nach Grill… eher verbrannt. 3 Steigerungen gehen ganz gut, die restlichen 2 wieder eher schleppend. Und dieser Gestank nach verbranntem Grillgut. Echt ätzend. Ich Schleppe mich nach Hause. Bin ich froh, dass die Einheit heute so kurz ausgefallen ist. Ich habe Kopfschmerzen und mein Magen ist den ganzen Tag schon recht zickig. Geht ja wieder gut los.

Tag 72 – KKH Lauf

Miro steht früh auf, weil ein Tennis Meisterschaftsspiel ansteht. Da ich die Woche so wenig Schlaf gefunden habe, bleibe ich liegen. Irgendwann trampelt mein Kater auf mir rum und ich beschließe doch noch aufzustehen. Es soll heute regnen. Schon wieder Regen.
Da der Lauf erst so spät losgeht, pflanze ich mich mit meinem wahnsinns Tatendrang aufs Sofa und schaue erst mal ein wenig Netflix. Naja, wenig… 2 Stunden sind eigentlich nicht so wenig. Aber meine Motivation ist unterirdisch. Das Magengrummeln ist nicht weniger geworden. Großartig. Den Ingwertee erspare ich mir heute. Nicht, dass ich schon wieder hundertmal aufs Klo rennen muss.
Ich beschließe dann aber doch, mein Wettkampffrühstück vorzubereiten. Irgendwann muss ich ja essen. Mühsam schaufle ich den Haferschleim in mich rein, in der Hoffnung, dass der Magen Ruhe gibt. Es funktioniert. Immerhin etwas. Die Zeit vergeht heute auch nur schleppend. Das geliebte URMel-Shirt hebt die Stimmung leider auch nicht. Naja, vielleicht hilft ein starker Espresso.
Espresso rein und langsam auf den Weg machen Richtung Westpark. Da die Stammstrecke gesperrt ist und ich somit aufs Auto angewiesen bin, fahre ich etwas früher los als ursprünglich vorgesehen, ich muss ja irgendwie noch einen Parkplatz finden.
Das Wetter ist drückend. Es weiß nicht so recht was es will. Um 14 Uhr bin ich mit Andrea verabredet.
Ich komme am Westpark an: Parkplatz natürlich voll und einige weitere Autos die Kreise drehen. War ja klar. Ich fahre weiter Richtung Westendstraße. Ich sehe Ernis Auto. Nanu? Läuft er heute auch? Ich wusste gar nicht, dass noch mehr von der Laufgruppe heute dabei sind. Ich fahre die Straße ein Stück weiter und sehe auf der Gegenrichtung jemanden ausparken. Sehr gut, dass ist meiner. Wende und einparken. Sehr gut. Ich gehe los und sehe auf der anderen Straßenseite unsere Coaches Sebastian und Sandra. Nanu? Die beiden auch hier? Dann sehe ich die Kleine, strahlende Tochter von Sandra im KKH-Shirt. Ach wie süß, die Kleine ist beim Bambini Lauf gestartet. Ich begrüße die beiden und finde heraus, dass Sandra heute auch mitläuft. Ich freue mich. Wir stiefeln los und genau in diesem Moment kommt ein riesiger Schauer runter. Na toll, ich wäre dann mal nass. Durch den Regen laufen wir Richtung Startnummern Ausgabe. Meine Laune wird immer schlechter. Ich hab absolut keine Lust und würde am liebsten nach Hause fahren. Wir treffen auf Erni und Geo die ein trockenes Plätzchen ergattert haben. Andrea stößt zu uns und ist ebenfalls absolut nicht motiviert. Da können wir uns heute mal wieder die Hand geben. Noch dazu erfahren wir, dass der Lauf ein Rundkurs ist, der dreimal gelaufen werden muss. Boah ne, echt jetzt? Wenn ich das gewusst hätte…. Es hört endlich auf zu regnen. Irgendwann verlassen wir unser trockenes Plätzchen und wandern Richtung Startbogen. Ein Gewitter zieht auf. Es wird ja immer besser. Kurz vor Startschuss ein erneuter, sehr heftiger Schauer. Der Start wird etwas verschoben. Können wir nicht einfach loslaufen und das ganze hinter uns bringen? Das Gewitter hört auf und Startschuss. Endlich!
Das Starterfeld ist nicht sonderlich groß, so dass ich aus Reihe 3 starte und natürlich erst mal zu schnell loslaufe. Anfängerfehler!
Die Strecke ist hügelig. Ich habe Coach Sebastian im Ohr: bergauf durchziehen, danach geht’s auch wieder runter. So drossle ich das Tempo kaum als ich den Hügel hochwetze. Ja wetze, denn ich laufe schneller als normalerweise. Auf dem Hügel angekommen sehr ich auf der Gegenseite erst Geo und dann Ernie vorüberziehen. Wow, sind die schnell. Die erste Runde läuft erstaunlich gut für das Tempo. Runde zwei ist schon wieder eine Herausforderung für den Kopf. Bäääh. Ich sehe Sandra auf der anderen Seite der Runde vorübereilen. Hügel hoch, lang gestreckter Weg halb hoch. Ein Läufer quatscht mich von der Seite an. Ich muss mich kurz von meiner Musik verabschieden, nehme den Ohrstöpsle raus und frage ihn, was er gerade gesagt hat.
“180 Puls, viel zu hoch”, wiederholt er mit einer Geste zu meiner Uhr hin. „Die kann man aus dieser Distanz lesen?“,  frage ich mich. “Ja, viel zu schnell losgelaufen”, antworte ich. “Ja, ich auch”, kommt noch zurück. Ich höre den Herrn noch eine Weile schräg hinter mir schnaufen. Schnaufe ich eigentlich auch so extrem beim Laufen?
Die zweite Runde ist vorbei und ich zünde innerlich ein Feuerwerk, dass ich diese Drecksrunde nur noch einmal laufen muss. Wie schon erwähnt, es war nicht mein Tag. Am Restaurant und am Biergarten entlang stinkt es extrem nach Fett. Das macht es nicht besser. Die letzten 400m und ich habe tatsächlich noch die Kraft, mein Tempo nach hinten raus zu steigern und das nicht zu wenig. Endlich komme ich im Ziel an, bin völlig verausgabt, die Herzfrequenz ist jenseits von gut und böse. Irgendwer drückt mir eine Medaille in die Hand. Ich hole mir einen Becher Wasser (igitt, Sprudel. Was ist denn hier kaputt?) und treffe die Anderen. Sandra fragt mich wie es lief und nach meiner Zeit. Meine Uhr zeigt mir eine Durchschnittspace von 6:12 an. Im Ernst? Das kann doch nicht sein?! War ich echt so langsam? Hat sich sehr viel schneller angefühlt. Die Erkenntnis deprimiert mich. Sandra lobt mich für die Leistung auf der schwierigen Strecke. Ich bin immer noch geknickt. Versteht mich nicht falsch, ich bin nach wie vor Genussläufer und die Zeit ist bei mir nach wie vor zweitrangig. Aber das fuchst mich jetzt doch irgendwie.
Selbst nach der warmen Dusche zu Hause bin ich irgendwie noch genervt. Ist einfach nicht meine Woche.
Sandra schreibt mir: Durch das schlechte Wetter haben die Uhren wohl etwas gesponnen. Sie hat die Strecke nach vermessen und es waren 7,35 km gesamt und nicht nur 7,0 so wie es meine Uhr behauptet. Ich tippe die gelaufene Zeit in meinen Pace-Rechner ein und siehe da: die Pace lag bei 5:56. Ok, jetzt bin ich irgendwie erleichtert und eine ganze Spur besser drauf. Auf 10km hochgerechnet wäre das eine neue Bestzeit gewesen. Ich habe mich also doch verbessert!!! Die Woche hat also doch noch was Gutes mit sich gebracht.

Tag 73 – Little Shake Out Run
Ich bin müde und ausgelaugt. Immer noch. Dieses ewige hin und her mit dem Wetter macht mich fertig. Aufraffen in der Früh zu laufen schaffe ich heute einfach nicht. Wir sind am Abend zum Essen verabredet, ich kann auch am Abend noch gehen….  so der Plan. Ich bin aber erst gegen halb 11 zu Hause. Und ich bin müde.
Nein, heute bin ich gar nicht vorbildlich und lasse den Shake Out Run sausen.

Tag 74 – 60 Minuten schwimmen
Juuuuhuuuu, schwimmen.
Das Wetter ist toll, ich verbringe den Tag im Home Office auf der Terrasse. Ich bin hin und her gerissen. Das Freibad hat bereits offen, aber ist es dafür nicht doch noch zu kalt? Aber bei dem Wetter ins Hallenbad? Noch blöder. Außerdem hat das Freibad eine 50m Bahn. Ok überredet: Freibad.
Das Wetter ist perfekt und das Wasser hat genau die richtige Temperatur, gute Entscheidung. 60 Minuten mit den üblichen 1,5km Brustschwimmen. Schee wars!

Tag 75 – URMel Sandkastenspiele
Der Weg führt uns in den Englischen Garten auf die Sandbahn. Es ist warm und der Garten unglaublich voll. Eine Runde auf der Bahn warm laufen. Danach gibt es diverse Übungen auf der Hälfte der Bahn und die andere Hälfte soll gesprintet werden. Was gibt es schöneres als im Sand zu sprinten? Schon nach der ersten Runde habe ich das Gefühl, mein Herz explodiert. Und es ist warm…warm…. warm!!!! In einer der Runden sprinte ich mit Geo, da kann man ja nicht nachgeben! Also: voll durchziehen! Geo hat es gar nicht so leicht, oder er lässt mir einen Vorsprung, ich weiß es nicht genau. Als  ich genug habe überredet er mich für eine weitere Runde. Ja, ist ja gut. Danach läuft die ganze Gruppe in einer Reihe und der Hinterste muss an allen vorbeisprinten und sich vorne mit einreihen. Wer denkt sich denn sowas aus? Kann ja nur auf Sebastians Müll gewachsen sein.
Ich bin froh, dass es vorbei ist und wir wieder Richtung Park Café laufen. Sandtraining ist unglaublich fies. Wer das nicht glaubt, der solle das definitiv mal testen. Meine Spitzengeschwindigkeit lag bei 3:18. Unfassbar, dass es Leute gibt, die in dieser Geschwindigkeit einen ganzen Marathon laufen. Einmal mehr ziehe ich meinen Hut vor solch einer Spitzenleistung. Ich bin schon nach ein paar Sprints in diesem Tempo hinüber.

Tag 76 – Ruhe
Und dieses Mal ganz offiziell.

Tag 77 – Tempo lang
Für heute hat sich die liebe Trainerin wieder was ganz besonderes ausgedacht:

Einlaufen – 5 Min. zügig/3 Min. Trab – 7 Min. zügig/5 Min. Trab – 10 Min. zügig/7 Min. Trab – 7 Min. zügig/5 Min. Trab – 5 Min. Vollgas – 3 auslaufen

Klingt super, oder?

Da ich für diesen Freitagabend schon seit Wochen eine Verabredung habe, die direkt nach der Arbeit startet, muss diese Einheit in den Morgen verlagert werden. Heißt: 5:30 Uhr aufstehen und um 6:00 Uhr loslaufen. Bäääh!!! Energietechnisch machen mir diese morgendlichen Einheiten nichts aus. Aber ich bin absolut kein Frühaufsteher und auch absolut kein Morgenmensch. Ich schlurfe durch die Wohnung, trinke ein Glas Saft und verabschiede mich. Kurz bevor es losgeht rechne ich nochmal kurz hoch: ich bin 1 Stunde und 7 Minuten unterwegs, dass werden also über 10km sein. Was für eine Erkenntnis! Und das um die Uhrzeit!
Das kann ja heiter werden. Ich laufe los und schlage den Weg Richtung Stadtpark ein. Das Einlaufen vergeht viel zu schnell und schon habe ich die erste Einheit zügig. Noch geht es ganz gut. Es ist wieder mal wunderbar ruhig und ich treffe wenige Menschen. Hauptsächlich Hundebesitzer. Der erste Radlfahrer überholt mich. Jetzt schon? Die Leute sind aber früh auf dem Weg zur Arbeit. Ich liege um diese Uhrzeit normalerweise noch im Bett. Und schon darf ich traben. Es geht mir gut. Die Uhr läutet und schon geht es zur weiten Einheit. Die zweite Runde zügig an der Würm entlang. Eine Ente kreuzt meinen Weg und rettet sich vor meinen schnellen Schritten in die Wiese. Ich schaue einmal auf die Zeit: gleich geschafft. Uuuuuund Trab. Was ein Glück. Jetzt geht es kurz bissl bergauf, glücklicherweise darf ich traben. Ich genieße die Ruhe und die aufwachende Natur um mich herum.
Ich spüre die Physio vom Vortag: der rechte hintere Oberschenkel wurde am Vortag ganz schön bearbeitet.
Und schon ist das Traben wieder vorbei: 10 Minuten auf die Tube drücken. Und als ich so an der plätschernden Würm entlang laufe stelle ich fest, dass ich den Berg zur Autobahn hin leider auch zügig hinauf muss. Schlechte Routenplanung Frau Klose. Die 10 Minuten ziehen sich wie Gummi. Ich sehe den Hügel…komme näher… und gebe alles, um zügig hinauf zu kommen. Gar nicht so einfach, meine Beine sind schon etwas müde und ich verfluche leise Markus von der Physio. Es ist ein komisches Gefühl, wenn ein Bein schon müder ist als das Andere. Ich laufe an der Autobahn entlang und in einen bewaldeten Abschnitt. Ein junger Läufer kommt mir entgegen und grüßt mich. Ich Grüße zurück und hoffe, dass ich nicht allzu fertig ausschaue. Welche Gedanken, ich habe doch gerade ganz andere Probleme. Und endlich sind die 10 Minuten rum. Ich darf 7 Minuten traben, großartig und großzügig zu gleich. Zwischenstandsmeldung: ich bin schon ganz schön platt. Die 7 Minuten vergehen leider wie im Flug und ich muss das Tempo wieder anziehen. Meine Beine sind schwer, das glaubt man kaum. Der Junge Läufer kommt mir erneut entgegen, grinsend. Ja, man trifft sich halt doch immer zweimal im Leben.
Ich verfluche jetzt nicht nur Markus sondern auch ein wenig Sandra. Die Trainingseinheit ist echt zermürbend. Ich finde, das Wort beschreibt es ganz gut. So langsam schaltet sich nämlich mein Kopf ein (oh, der ist also auch schon wach?) und der findet das alles ganz schön doof. Diese Einheit will einfach nie enden. Tonsignal: Traben. Freude.
Ich frage mich, wie ich gleich noch 5 Minuten Vollgas geben soll.
Beine: Stop this stupid shit.
Kopf: Genug für heute, 5 Minuten schnell schaffe ich nicht.
Teufelchen: Geh nach Hause.
Engelchen: ist doch gleich vorbei, stell dich nicht so an.
Das Engelchen hat recht, dass wird jetzt durchgezogen.
Los geht’s: Tempo anziehen! Ich schnaufe. Die Zeit vergeht gar nicht: noch zwei Minuten. Die Unterführung: ich könnt kotzen. Immer noch 1 Minute. Lang gezogener Weg: ich schnaufe nicht mehr, ich japse!!!!!! Die Zeit vergeht gar nicht.
Und endlich, die Erlösung!!!! Tief Luft holen und ruhig nach Hause traben. Alter Schwede, ich bin fix und alle. Schleppe mich irgendwie nach Hause.
Zu Hause angekommen, steht bereits ein volles Glas Wasser bereit. Daneben ein frisch zubereiteter Smoothie. Ist das nicht süß? Nach der Dusche und dem liebevollen Frühstück geht es mir doch gleich wieder viel besser.

Tag 78 – Ruhe

Tag 79 – 120 Minuten easy
Sunday ist runday – Und das totally alone. Miro hat seinen langen Lauf schon am Mittwoch gemacht, außerdem ist er auch viel zu schnell für mich. Da ich heute auch noch mehrere Verabredungen habe beschließe ich, mit Miro um 7 aufzustehen. Dann koche ich mir meinen üblichen Brei (ohne Bananen, eine Katastrophe, wir haben keine Bananen eingekauft!) und frühstücke gemütlich. Auf Google Maps schaue ich mir eine empfohlene Strecke von Miro an. Als ob ich mir das alles merken könnte. Ich wandere noch für eine Stunde auf die Terrasse im Garten und beobachte bei einer Tasse Espresso den verschlafenen Sonntagmorgen in den Nachbarsgärten. Ich versuche mir den Streckenverlauf zu merken. Zur Not habe ich heute das Handy dabei. Nach dem Wechsel von Nachtgewand zu Sportkluft verstaue ich meine Verpflegung für heute in der Wunderhose (die hat tolle und große Taschen) und an meiner Bauchtasche, die zusätzlich noch Schlaufen hat: Wasser, 1 Hipp Quetschbeutel mit Obst, 1x flüssige Kohlenhydrate von Xenofit zum Test und für Notfälle noch einen Energieriegel von Xenofit. Ihr erinnert euch: Bei meinem 90 Minuten Lauf habe ich so brutalen Kohldampf bekommen. Deswegen der Plan heute: nach einer Stunde den Quetschbeutel vernichten, nach 1.30 die flüssigen Kohlenhydrate.
Mit ein bisschen Verzögerung starte ich gegen viertel vor zehn meine Runde. Auf dem Weg in den Wald merke ich, dass die Sonne doch schon extrem runterbrennt. Im Garten habe ich in der Früh keine Sonne und nur Schatten, das habe ich jetzt nicht so warm erwartet. Ich komme an ein paar älteren Herrschaften vorbei, die den Sonntagmorgen mit Nordic Walking verbringen. So gehört sich das. Ein freundliches guten Morgen von Ihnen und von mir. Ich erfreue mich immer wieder an dieser Höflichkeit, die man von völlig Fremden erfährt. Noch bin ich auf der Suche nach meinem Rhythmus, dass dauert Erfahrungsgemäß ca. 3 km. Die Uhr wird völlig ignoriert, ich erfreue mich einfach an der schönen Landschaft und den netten Leuten, denen man begegnet. Angekommen im Wald muss ich rechts herum abbiegen Richtung Freiham. Unbekanntes Terrain. Kurz vor der Brücke kommt mir eine Dreiergruppe Läufer entgegen. Auch diese begrüßt mich mit einem fröhlichen guten Morgen. Ein Gruß und ein breites Grinsen zurück und ab über die Brücke unter der der Verkehr der A96 schon fleißig fließt. Die Sonne ist echt der Wahnsinn. Glücklicherweise ist ein Großteil der Strecke geschützt und im Wald. Sonst würde ich eingehen. Und meine Trinkblase mit Wasser bei Weitem nicht reichen. Ich komme auf die Freihamer Allee, die ihrem Namen alle Ehre macht. Schön ist es hier. Ein breiter, geteerter Weg mit vielen Bäumen am Rand und Feldern drum herum. Ich wusste gar nicht, dass die Giga-Baustelle Freiham so schöne Ecken hat. Ein paar Radlfahrer und Spaziergänger sind hier unterwegs. In meiner Wohngegend gibt es echt viele, fleißige Senioren. Auf einmal riecht es extrem süß. Richtig unangenehm. Mein Kopf braucht eine Weile um zu verstehen: links und rechts sind Rapsfelder, die in voller Blüte stehen. Ich finde den Geruch echt ätzend. Richtig beißend. Zum Glück ist es nicht mehr weit und ich darf links herum abbiegen und lasse die Rapsfelder hinter mir. Mich überholt eine Läuferin. Aha, ganz ohne Ausrüstung, die macht sicher keinen Long Run. Ich komme am Gnadenhof vorbei, auf dessen Weide ich drei Kühe sehe. Ich freue mich, wenigstens gibt es noch Tiere, die hier friedlich leben dürfen ohne auf die Schlachtbank zu warten. Weiter geht es unter der A99 hindurch und ich befinde mich wieder im Wald. Ich fühle mich gut und freue mich über die etwas kühleren Temperaturen hier im Gehölz. Den Weg nach der Unterführung kenne ich, hier bin ich schon gewesen. Ein älterer Läufer kommt mir entgegen und hebt freudig die Hand. Nach wie vor fühle ich mich gut. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Gute 30 Minuten sind vorbei. Irgendwann kommt nun eine Landstraße die es zu überqueren gilt und dann geht es weiter Richtung Krailling. Ich treffe auf die Landstraße und warte kurz, dass ich diese überqueren kann. Das es rechts von mir eine Unterführung gibt übersehe ich. Miro hat diese am Morgen zwar erwähnt, aber das habe ich bereits wieder vergessen. Kann mir ja auch nicht alles merken. Mein Weg führt mich auf eine größere Kreuzung. Da es keine Beschilderung gibt bin ich mir nicht sicher, ob dies schon die Sanatoriumstr. ist. Ich laufe ein wenig im Kreis, bis sich Google Maps sortiert hat. Unweit von hier ist die S-Bahn-Station Stockdorf. Ok, ich bin also schon in Krailling und muss also hier schon links abbiegen. Ich komme am Sanatorium vorbei. Komische Stimmung hier. Es parken einige Autos auf dem Parkplatz , aber ich sehe keine Menschen. Ich komme an eine weitere Kreuzung und erkenne den Namen des Weges wieder. So nun wird es haarig. Auf Google Maps habe ich heute Morgen schon gesehen, dass der Weg sich gabelt. Hier gibt es eindeutig zu viele Wege die auf der Karte nicht verzeichnet sind. Ich beschließe den Weg geradeaus weiter zu laufen, um wieder zur Landstraße zu kommen. Dort gibt es einen geteerten Fuß- und Radlweg. Wenn ich diesem etwas folge, komme ich beim Kloster  Maria Eich raus. Klingt nach einem Plan. An der Straße entlang gönne ich mir meinen Quetschbeutel. Irgendwie immer viel zu schnell leer. Nach wenigen 100m sehe ich auf der rechten Seite den Weg mit der Beschilderung zu Maria Eich. Sehr gut. Nachdem ich die Straße erneut überquert habe, lande ich in einem Waldstück, mit extrem vielen kleinen Wegen. Wohin? Ich sehe einige Spaziergänger und höre Kirchenmusik und Gesang. Maria Eich kann also nicht weit sein. Ich zücke wieder das Handy und halte es in diesem Labyrinth eine Weile in der Hand, damit ich nicht erneut falsch abbiege. Der Gesang wird lauter. Kann ja nicht mehr weit sein. Und im letzten Moment biege ich links in einen kleinen Weg ab. Wieso? Ganz einfach: bei Maria Eich wird gerade Gottesdienst geifert – im Freien. Ich wäre fast zwischen die Außenbänke gelaufen. Das wäre durchaus peinlich geworden. Also umgehe ich die Feier und lande endlich auf dem Hauptweg. Von hier geht der Wallfahrerweg wieder zurück Richtung Lochham. Meine Beine sind immer noch fit und ich bin gerade richtig im Flow angekommen. Ich trabe den Wallfahrerweg entlang. Nun sind 1.30 vergangen, somit wird nun das Xenofit getestet. Der erste Schluck…. baaaaaah, ist das ekelhaft süß. Krass. Ich benötige fünf Anläufe bis der Beutel endlich leer ist. Wahnsinn. Ich muss direkt Wasser hinterher spülen. So süß habe ich es nicht erwartet. Mal sehen, was mein Magen dazu sagt.
Ich komme an der Ausgangskreuzung an von der es noch ca. 1,5 km bis nach Hause ist. Ich habe noch knappe 30 Minuten zu laufen. Rüber durchs Wohngebiet? Nääääää. Ich entscheide mich über Freiham nach Hause zu laufen. Die Freihamer Allee war doch doch so schön. Von da komme ich auf die Centa-Hafenbrädl-Str., zum Tennisplatz und dann bin ich quasi zu Hause. Mein Magen scheint das Xenofit –Zeug gut vertragen zu haben.
Ich freue mich über die zweite Runde auf der Allee. Doch was ist das? Igitt. Die Rapsfelder. Habe ich schon total verdrängt. Rechts abbiegen und schon bin ich in der sengenden Hitze auf der Straße angekommen. Heiß. Kein Schatten. Und zum ersten Mal merke ich, dass meine Beine schon ganz schön erschöpft sind. Kaum habe ich diesen Gedanken merke ich meine Füße. Platt. Total platt. Komm schon, noch ca. 15 Minuten, bloß nicht locker lassen. Mein Wasser ist leer und ich habe Durst. Aber: Mein Magen gibt Ruhe. Sehr gut!
Ich komme am Flüchtlingsheim vorbei, an einer der hundert Baustellen in Freiham, vorbei am Place (für die, die es nicht wissen: der Place ist die Tennisanlage des ESV Neuaubing) und in die Papinstraße. Du bist fast zu Hause, du hast es bald geschafft. Energie habe ich noch, aber die Beine wissen, dass sie es bald geschafft habe und machen sich nochmal besonders schwer. Die letzten 5 Minuten sind zäh und langsam. Und als ich endlich zu Hause ankomme, sind es sogar 2 Stunden und 5 Minuten. Und ich? Stolz wie Oskar. Es ist so eine schöne Runde, ich habe mich wirklich gut gefühlt und es ist noch nicht mal 12 Uhr. Großartig. Mit Wasser setze ich mich erst mal gemütlich auf die Terrasse und entspanne mich. Der Halbmarathon kann kommen. Ich bin auf jeden Fall bereit!

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Laufen – nicht nur für mich selbst

Tag 52 – 50 Minuten locker – die letzten 5 Minuten gesteigert
Da mir der Wald so gut gefallen hat und es auch noch mindestens 1,5 Stunden hell ist, habe ich die heutige Einheit wieder als Waldlauf geplant. Miro war kurz vor mir laufen und hat berichtet, dass er sich verlaufen hat. Darüber muss ich lachen, denn seine Orientierung ist sonst sehr gut.
Ich laufe los. Mein Plan: nach ca. 20-25 Minuten geradeaus dann abbiegen und irgendwie wieder in die Richtung laufen, aus der ich gekommen bin. So der Plan. Musik habe ich mir heute auch mitgenommen, ich laufe ja quasi nur geradeaus.
Nach 22 Minuten eine Kreuzung: links oder rechts abbiegen? Also rechts abbiegen und nach kurzer Zeit nochmal rechts abbiegen. Ich laufe also parallel zu meinem Hinweg. Denke ich zumindest. Nach gar nicht allzu langer Zeit komme ich an eine T-Kreuzung. Ok wieder rechts rum, alles andere macht keinen Sinn. Wo bin ich hier eigentlich? Klug wie ich bin habe ich heute auch kein Handy dabei um mir die Karte einmal anzeigen zu lassen. Es sollte ja eigentlich auch nichts schief gehen. So der Plan. Also rechts herum und immer geradeaus dem Weg folgen und folgen und folgen… und an der Maria-Eich-Straße rauskommen.
Wie bin ich denn hier gelandet? Irgendwas stimmt hier nicht. Kurzer Orientierungsversuch: ich stehe am Ortsschild von Planegg. Ahja… da bin ich falsch. Also kehre ich Planegg den Rücken und bleibe in Lochham. Immer der Maria-Eich-Straße folgen, da komme ich irgendwann an den S-Bahnhof Lochham und von da ist es nicht weit bis nach Hause.
Ich laufe und laufe und laufe… ich bin verunsichert: wann kommt der S-Bahnhof endlich? Bin ich doch falsch? Völlig unmöglich!!! Denke ich… glaube ich… Es kommen mir zwei jüngere Läufer grinsend entgegen. Warum grinsen die so? Soll ich fragen, ob ich richtig bin? Ich muss richtig sein, denn Planegg liegt hinter mir und ich bin in Lochham. So viel Orientierung habe auch ich! Und warum grinsen die so? Nein, die Blöße gebe ich mir nicht, grinse zurück und ernte ein “Servus.”
Ein “Servus” zurück und das verunsicherte Gesicht, ob ich wirklich richtig bin, verstecken.
Zeitlich wird es eng, gesteigerte 5 Minuten funktionieren nur dann gut, wenn ich weiß, wo ich hinlaufe.
Und endlich, man mag es kaum glauben, taucht die S-Bahn-Station vor mir auf…. ich hatte also recht. Ich klopfe mir im Gedanken auf die Schulter, dass meine Orientierung doch existiert und diese richtig war. Allerdings frage ich mich, was schief gelaufen ist und kann die Auswertung meiner Uhr kaum erwarten, dann sehe ich die Streckenkarte. Doch dafür erst mal keine Zeit, erst mal noch Tempo anziehen und die 5 Minuten gesteigert rocken.
5 Minuten können so verdammt lang sein… verdammt lang! Zumal ich den längeren Lauf vom Vortag in den Beinen habe. Die erste Hälfte geht gut, die Zweite ist etwas haarig. Stell dich nicht so an!
Kleiner Schlenker und die 5 Minuten sind geschafft: 5:38 auf den Kilometer. Durchschnitt davor bei 6:56. Gar nicht mal so schlecht. O-Ton Coach: MEEEGAAA!
Ich bin ein bisschen stolz…

Tag 53 – Alternativtraining nach eigenem Ermessen
Ich darf heute wieder schwimmen!!! Freude!!! Aber vorher steht noch ein Termin beim Orthopäden an. Das ewige Muskelzucken, welches sich die meiste Zeit im Allerwertesten bemerkbar macht, will erklärt werden und natürlich soll es aufhören.
Ein bisschen nervös bin ich… wird er mich wieder stilllegen? Eine Katastrophe, wo ich doch gerade so gut im Training angekommen bin.
Aber alles unbegründet und absolut nicht problematisch. Ich kann weiterhin trainieren und bekomme Physio. Spritzen sind auch nicht nötig. Irgendwie ist meine rechte Seite ein wenig verkorkst… aber mit der Aussage bin ich mehr als glücklich und nehme meine neues Rezept für die Physio entgegen.
Heute ist im Schwimmbad viel weniger los. Bedeutet auch weniger gestresste beim Bahnenschwimmen. Im anderen Becken findet Aqua Fitness statt. Eigentlich sehe ich nicht wirklich, was dort passiert, ich sehe nur die Trainerin am Beckenrand. Ich Messe einmal die Zeit die ich für eine 25m Bahn benötige: ca. 1 Minute. Ich erspare mir das Zählen der Bahnen und schwimme einfach so eine Stunde lang meine Runden. Ich liebe schwimmen, habe ich als Kind schon geliebt!!! Ich beobachte die Leute um mich herum, auch etwas, was ich liebend gerne tue. Was man hier so alles beobachten kann ist fast schon ein ganz eigener Post wert. Gehört aber nicht hier her.
Nach 60 Minuten, sprich nach ca. 1,5km, bin ich müde und freue mich auf mein Sofa.

Tag 54 – URMel Dauerlauf
Und es regnet aus Kübeln. Wird also feucht fröhlich heute. Mittwoch ist ein Lichtblick in der gesamten Woche: am Abend ist URMel-Treff und es bedeutet auch, wir sind nur noch zwei Arbeitstage vom Wochenende entfernt.
Neben dem Regen ist es auch noch sehr kalt geworden. Ekelhaft wenn man bedenkt, dass der Mai vor der Türe steht. Die Arbeitskollegen verstehen mich nicht: bei den Wetter laufen?
Ja! Und? Wo liegt das Problem?
Sie können es weder verstehen noch nachvollziehen.
Ich bin der Meinung sie suchen einfach nur nach Ausreden. Jeder ist da nun mal anders gepolt. Ich für meinen Teil laufe lieber im Regen als in brütender Hitze.
Nach einem Kaffeeklatsch laufen wir los Richtung Englischen Garten. Dort gibt es ein Mini-Intervalltraining und Mobilisation für den ganzen Körper. Und gequasselt wird sowieso.
Nass bis auf die Haut kann ich eine warme Dusche kaum erwarten. Viele Kilometer waren es nicht, aber die Gemeinheit solcher Intervalle macht sich meist erst am nächsten Tag bemerkbar.

Tag 55 – Ruhe
Ich freue mich. Hab heute auch absolut nichts geplant. So lass ich meiner faulen Seite freien Lauf, mache es mir auf dem Sofa bequem und ziehe mir einige Folgen meiner aktuellen Lieblingsserie auf Netflix rein.

Tag 56 – Kenianischer Dauerlauf
Da Miro früh aufgestanden ist und ich sowieso nicht mehr schlafen kann, entscheide ich mich spontan die Einheit direkt am Morgen vor der Arbeit zu absolvieren. Ein Blick aus dem Fenster: SCHNEE!
Echt jetzt? Der bleibt ja sogar liegen.
Na gut, dann in die wärmere Laufkleidung raussuchen und los geht’s. 20 Minuten locker in eine Richtung und danach umkehren mit 1 Minuten schnell 1 Minute langsam im Wechsel. Mir graust es ein wenig.
Los geht’s. Heute merke ich, dass 20 Minuten ganz schön lang sein können. Viel ist nicht los, vereinzelt ein paar Hundebesitzer. Irgendwie zieht sich der Hinweg extrem. Ich bin Richtung Park gelaufen: war nicht meine klügste Idee, denn vom vielen Regen der letzten Tage ist es recht matschig und alles ist voller Pfützen. Auf dem Hinweg lassen sich diese noch halbwegs umlaufen, auf dem Rückweg habe ich keine Zeit auf sowas zu achten. Ziel ist es, den Rückweg schneller zu schaffen als den Hinweg. Die Uhr gibt ihr Signal, ich drehe mich um und laufe die erste schnelle Minute. Läuft erstaunlich gut und ich fühle mich zumindest auch recht schnell. Und schon ist die schnelle Minute vorbei, ich werde langsamer. Der Körper erholt sich nicht ganz so gut wie erhofft, der Puls ist noch recht weit oben, als die zweite schnelle Minute losgeht.
Platsch!!!!! Die Füße wären dann mal nass!
Langsam – schnell – langsam – schnell. Ich fühle mich erstaunlich gut, trotz früh, trotz Schnee, trotz nasse Füße…! Nach 16 Minuten komme ich wieder zu Hause an und bin absolut zufrieden.
Und was steht am Ende auf der Uhr? Teilweise 5er Schnitt. Die hochgerechneten Paces sind ein Knaller!!!
Am Abend steht noch die Geburtstagsfeier einer Freundin an: Essen – Cocktails – tanzen. Klassische Ladys Night.

Tag 57 – 30 Minuten Shake Out Run
Ich bin müde. Die Hausarbeit will gemacht werden. Kurzerhand beschließe ich am Abend: du hast die Nacht fast 2 Stunden lang durchgetanzt – genug geshaked für heute!

Tag 58 – Facettenreiches Lauftraining
Immer wieder schön!!! Heute gab es einen Laufzirkel mit vielen Sprüngen, einiges für die Koordination und auch Stabi Training. Ich liebe es. Und die Sonne hat ordentlich mit uns gestrahlt. Die 3 gewünschten Steigerungen laufen auch richtig gut und ich fühle mich verdammt schnell. Das Training lohnt sich: die Spitzengeschwindigkeiten liegen bei 3:13 – 3:30. ein Knaller wie ich finde. So könnte es doch immer sein.

Tag 59 – Ruhe
Zum Glück, dass Wetter ist aktuell unerträglich!

Tag 60 – Alternativtraining nach eigenem Ermessen
Das Wetter ist ein Knaller. Ich habe wirklich Lust zu laufen. Aber am Wochenende ist Wings for Life World Run, da will ich fit sein und mich die Woche nicht all zu sehr verausgaben. Schwimmen will ich bei dem wunderbaren Wetter auch nicht. Also stelle ich mich auf meine Terrasse im Garten und gönne mir 40 Minuten HIIT. Mein Kater schaut mich die ganze Zeit so irritiert an. Danach gibt’s noch eine kurze Radelrunde. Frühlingsgefühle können wirklich beflügeln.

Tag 61 – URMel Dauerlauf
Eine erneute Runde durch den Englischen Garten mit der besten Laufcrew der Welt. Doch Couch Sebastian ist alleine – ich mache mir direkt Sorgen um das Tempo der Gruppe. Das Wetter ist tückisch: grau – kalter Wind aber trotzdem zu warm für eine Laufjacke. Das ewige hin und her des Wetters macht schlapp und demotiviert uns irgendwie. Ein Teil der Gruppe läuft schön langsam, dass ist schon mal gut. Allerdings quasseln wir auch wieder sehr viel – das macht sich direkt an der Herzfrequenz bemerkbar. Ich muss ganz schön schnaufen. Und meine Beine sind ganz schön müde. Macht sich mein Training vom Vortag wieder bemerkbar. Ganz heimlich!!! Nach ca. 7km sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen.

Tag 62 – Ruhe
Gott sei Dank. Ich bin absolut nicht motiviert irgendwas zu tun.

Tag 63 – Kleine Tempoeinheit vor dem Wings for Life World Run
Bedeutet im Klartext: 10 Min. einlaufen – 3×4 Minuten zügig mit lockerer Trabpause dazwischen – 5 Minten auslaufen.
Klingt machbar. Nach ewig viel Regen die letzten Tage kam doch am Nachmittag tatsächlich die Sonne vorbei – was mich richtig beflügelt.
Ganz gemütlich einlaufen durch Lochham – die Uhr leutet und das Tempo wird angezogen. Bin ich zu schnell? Ne ich könnte noch schneller – also bin ich zügig. Ich beschließe, dass das Tempo so passt. Erste Trabpause. Geht ganz gut soweit. Die Uhr leutet und das Tempo wird erneut angezogen. Nicht zu schnell, nicht komplett verpulvern. Schön entspannt bleiben. Klappt ganz gut, wobei mein Herz gut pumpt. Wieder Trabpause. Fast geschafft, nur noch 2 Runden. Die 3. Runde geht los – jetzt wird es schon schwieriger und die Zeit vergeht gefühlt viel langsamer. Trabpause – Herzrasen – scheisse, einer muss noch. Gut, die letzte Runde: schön durchziehen, gleich geschafft. Die Zeit vergeht schleichend langsam, aber ich versuche das Tenpo zu halten. Nicht vollgas! Die 4 Minuten sind endlich vorbei und ich mache mich auf den Heimweg.
Was sagt die Auswertung der Uhr? 06:03 – 06:12 in den zügigen Phasen. Finde ich asbolut in Ordnung.
Zu Hause angekommen nutze ich das tolle Wetter und mache mich an die Gartenarbeit. Ich freue mich die ganze Woche schon auf den Wings for Life World Run.

Tag 64 – Kleiner Shake Out Run mit 3x 100m Steigerung
Angeblich sind es nur 20 Grad. Glaube ich aber nicht. Denn als ich gegen 12 Uhr loslaufe trifft mich in der Sonne fast der schlag. Mir ist es schon wieder viel zu warm zum laufen. Ich bin wohl noch das kühle Wetter der letzten Tage und sogar Wochen gewohnt.
“Es sind ja nur zwanzig Minuten”, sagt mein Engelchen.
“Kann man auch weglassen”, sagt das Teufelchen.
“NEIN”, sagt der Kopf. Diese kleine Einheit machen wir jetzt brav zu Ende. Was ein Glück vergehen die 20 Minuten recht schnell. Ok, noch 3 Steigerungen, sollte kein Problem sein.
Nach der ersten Steigerung habe ich schon mehr als genug. Die Pumpe geht ab wie Schmitz Katzte, es ist heiß, und einfach mimimi.
Runde Zwei – BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH, wie ÄÄÄÄÄÄÄÄÄTZEEEEEEEND!!!!
Komm schon, einer geht noch, nur einer.
Runde Drei – GEEEENUUUUG FÜR HEUTE!!!
Fertig. Fix und Fertig. Kurze Einheit und doch total hinüber. Das Wetter macht mich fertig. Dieses ewige hin und her.
Jetzt schnell ins Olympiastadion und die Startunterlagen für morgen abholen. Ich freue mich so riesig, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.
Die Stimmung ist sehr positiv – ich komme mit ein paar Leuten ins Gespräch – kurzer Läufer-Small-Talk. Immer wieder schön wie sehr dieser Sport verbindet.
Der Nachmittag wird auf der Terrasse in der Sonne verbracht. Schade, dass die Wetterprognose für morgen so schlecht ist.
Gegen Abend mache ich mich auf den Weg zum Aposto – geimsames Abendessen mit den geliebten URMels und den Frankfurtern URMels – die eiegtnlcih keine URMels sind, sondern URFels.
Spaß beiseite. Es ist ein wirklich schöner und gemnütlicher Abend. Ein Haufen Läufer-Nerd-Talk. Ich freue mich, den Hessischen Slang zu hören. Sogar ein Europa Park Jahreskarten-Besitzer ist unter den Franfkurtern URMels – also noch mehr Gemeinsamkeiten. Ich freue mich über die neuen Bekanntschaften. Noch auf dem Heimweg erhalte ich die erste Freundschaftsanfrage auf Facebook. Die vernetze und digitale Welt hat auch Vorteile. Das kan morgen nur gut werden.
Ab ins Bett und eine extra Portion Schlaf tanken.

Tag 65 – Wings for Life World Run
What a Night!!!!!!!! Ich kann gar nicht nachvollziehen, warum ich einfach so unfassbar bescheiden geschlafen habe. Ich habe mich die ganze Nacht nur von links nach rechts und zurück gedreht. Dem Sturm und dem Dauerregen vor dem Fenster zugehört.
Fazit: Ich bin so unfassbar müüüdeeee… das ist der Wahnsinn. Einfach nur fix und fertig. Super Timing.
Es dauert gefühlt ewig, bis ich den Weg in die Küche finde. Dort gibt es mein bewährtes “Wettkampf”-Frühstück. Schön die Haferflocken mit Milch und etwas Honig aufkochen. Danach noch Leinsamen und Banane dazu. Heidelbeeren habe ich ebenfalls im Kühlschrank ausfindig gemacht.
Das Problem: Ich habe absolut keinen Hunger und mein Magen rebelliert ohne Ende. Was ist denn da los? Ich habe doch absolut nichts falsches gegessen?!
Also koche ich Wasser auf, schneide Ingwer in eine Tasse und gieße das heiße Wasser darüber. Ingwertee hilft immer.
Noch ein Problem: Der Tee treibt ohne Ende und ich renne gefühlt 10 Mal innerhalb von zwei Stunden auf die Toilette. Wahnsinn. Die Hälfte des Frühstücks bleibt unberührt. Bis 11 Uhr kann ich das Essen. Bis zwei Stunden vor der sportlichen Betätigung geht das, danach hängt alles nur quer. Wie ein nasser Kartoffelsack hänge ich am Frühstückstisch. Aber immerhin, der Magen beruhigt sich etwas.
Ich habe die Hoffnung, dass mein Körper etwas an fahrt gewinnt wenn er erst mal in Laufklamotten steckt. Der Dauerregen hilft auf jeden Fall schon mal nicht.
Nachdem ich mich umgezogen habe stelle ich fest, dass es bald 11 Uhr ist und ich dringend mein Frühstück aufessen sollte. Also löffle ich die Schüssel schnell noch aus. Das sollte an Grundlage für heute reichen. Ich kippe noch einen starken Espresso hinterher und siehe da, die Lebensgeister machen sich endlich bemerkbar. Wurde ja auch mal Zeit! Wo haben die denn so lange gesteckt?
Schnell noch meine Glücksbringerkette aus dem Schmuckkasten ziehen und auf ins Auto. Um 12 Uhr ist Treffpunkt mich den URMels und URFels.
Es schüttet aus Kübeln und es wird nicht weniger. Trotzdem habe ich mir für kurze Kleidung entschieden, beim Lauf selbst ist es sonst viel zu warm.
20 vor 12 Ankunft Olympiastadion. Ich muss schon wieder aufs Klo. Bleibt mir also nichts anderes übrig als mich in die riesige Schlange for der Damentoilette anzustellen. Das übliche Problem.
Kurz vor 12 endlich durch und auf dem Weg zum TomTom Stand, dem Treffpunkt. Aber wo zur Hölle ist dieser blöde Stand? Ich treffe Roberto, der ebenfalls keinen blassen Schimmer hat. Irgendwann trifft Christian ein, der Stand ist auf dem Coubertin-Platz. Achso, da sind auch noch Stände?
Es werden Regencapes verteilt, ich nehme es dankbar an, damit ich im Startblock nicht völlig durchnässe. Endlich haben wir den TomTom Stand gefunden, und die liebe Laufcrew. Gruppenfoto natürlich verpasst. Schlechtes Zeitmanagement Frau Klose.
Kurzer Plausch und dann auf dem Weg zum Startblock machen. Die Stimmung ist trotz des Wetters extrem gut und ich freue mich riesig. Insgeheim setze ich mir heute die 12km Marke. Mal sehen, wie es läuft.
Schnell noch ein Selfie und los geht’s. Endlich!!!
Die Temperatur ist optimal, den Regen nehme ich kaum wahr. Andrea von der Laufgruppe läuft immer noch in meiner Nähe. Sehr schön. Und bei 700m zeichnet sich der Supergau ab: STAU AUF DER STRECKE!!!
Und das beim Wings for Life, wo uns doch das Chatcher Car gnadenlos verfolgt!
Andrea und ich schimpfen ein wenig. Es ist klar, dass es bei so vielen Läufern im engen Olympiapark zu Stau kommt. Wir ärgern uns ein wenig über die Situation. Endlich löst sich der Stau auf und es geht weiter. Ein wildes Gewusel, ein paar Kameras. Immer schön winken und lächeln. Wie die Pinguine aus Madagaskar.
Ich brauche heute länger um in meinen Rhythmus zu kommen, da es wirklich unfassbar voll ist. Endlich kommen wir zur ersten Verpflegungsstation und somit sind schon mal einige Läufer vor mir verschwunden. Ich lasse V1 aus und laufe weiter. Endlich habe ich Platz und kann mein Tempo laufen. Ich laufe komplett nach Gefühl und ignoriere die Uhr.
Ich komme an meiner alten Berufsschule vorbei, am geliebten OEZ… ich habe lange in Moosach gewohnt und freue mich, meine alte Gegend laufend neu zu erkunden, denn es hat sich einiges verändert. Wir kommen auf die Bingener Straße, zur ersten Bus Shuttle Station. Ich ignoriere die Busse und biege ab auf den Schotterweg Richtung Ludwigsfeld und Rangierbahnhof. Was für eine Schlammschlacht. Und die ganzen Hügel. Ich hatte die Strecke hier gar nicht so hügelig in Erinnerung. Es ist ein wenig anstrengend aber ich fühle mich immer noch richtig gut. In der Ferne sehe ich eine Pacemaker-Fahne. Ist das der 10er Pacer? Denn den muss ich auf jeden Fall noch einholen.
Vor mir sehe ich einen Rollstuhlfahrer. Für den ist das ganze bestimmt 5 mal so anstrengend. Es geht wieder bergauf und von der Seite kommt ein kräftiger, junger Mann, der kurzerhand den Rollstuhlfahrer bis zur Hügelkuppe schiebt und dann selbst wieder seitlich verschwindet um zu gehen. Wahnsinns Aktion. Toller Typ. Ich ziehe meinen Hut. Solidarität ohne Ende, sich selbst hinten anstellen und einfach die Idee des Laufes voll umgesetzt.
Neben mir geht einer in Red-Bull-Klamotten: ist das nicht der Julius Brink? Ich bin unsicher, denn irgendwie hatte ich ihn mir größer vorgestellt. Er ist total in seinem Tunnel, schaut etwas unglücklich drein. Naja, beim Beach Volleyball hat es auch einfach besseres Wetter. Ich laufe an ihm vorbei und endlich geht es bergab. Um dann wieder bergauf zu gehen. Ich erkenne den 10km Pacer vor mir. Es ist Manjai und ich bin stolz ohne Ende, dass ich ihn noch vor km 9 überhole. Ich fühle mich immer noch richtig gut, aber so langsam könnte ich mal etwas Wasser vertagen. Gleich kommt ja wieder eine Verpflegungsstation. Ich klopfe Manjai auf die Schulter, er freut sich mich zu sehen und wünscht mir noch viel Erfolg. Weiter geht’s und endlich kommen wir aus der Schlammschlacht heraus auf die Straße. Zeit wirds. Wir sind irgendwo kurz vor km 10. Ich sehe die Verpflegung und schnappe mir Banane und Wasser. Ich gehe kurz um in Ruhe zu essen und zu trinken. Die Nahrung gibt direkt ein Energiegefühl und ich trabe wieder los. Eine Dame fragt mich nach der Uhrzeit. Ich schau zum ersten Mal auf meine Uhr: 14:06! Oh, kommt dann nicht bald das Catcher Car? Ich lege einen Zahn zu, jetzt geht’s doch erst richtig los, ich habe noch einen ganzen Haufen Energie. Vorbei an der zweiten Bus Shuttle Station. Die Fahrer gucken fast alle grimmig. Was ist denn da los? Das ist doch leicht verdientes Geld für sie, hier warten bis der Bus voll ist?!
Weiter gehts und dann passiert das unfassbare: die ersten (Motor)Räder von hinten, die uns die Anweisung geben, an den rechten Straßenrand zu gehen. Das ist doch nicht euer Ernst? Ich bin doch grad erst über die 10km Marke, ich bin topfit, das kann nicht wahr sein. Doch ist es, und so versuche ich mit einem letzten Sprint durch die teilweise schon gehende Meute ein paar Meter gut zu machen. Kurz vor der Autobahnbrücke überholt mich das Catcher Car mit Matthias Malmedie am Steuer. Ich schaue dem Auto hinterher. Irgendwie traurig. Alles schon vorbei. Und nur 10,5km. Ich bin noch sowas von fit und könnte noch eine ganze Weile weiter laufen.
Ich ziehe meinen Regenponcho aus der Hosentasche und gehe zurück zur Shuttle Station. Ein Großteil der Busse ist voll aber gerade öffnet ein weiterer Bus seine Tür und ich setze mich in diesen hinein. Als der Bus voll ist geht es dann zurück ins Stadion. Dort treffe ich nochmals auf Manjai. Wir reden kurz und er freut sich für mich. Im Bus bin ich ziemlich ausgekühlt und in diesem Moment friere ich mir einfach nur meinen Arsch ab.
Ich hole mir einen Energieriegel und einen Quetschbeutel von Hipp, denn ich habe nun richtig Kohldampf. Ich treffe Claudia von der Laufgruppe und eine Freundin Sabrina. Wir holen meine Tasche und beschließen uns bei ein paar Bekannten in der Schwimmhalle aufzuwärmen. Gleichzeitig versuche ich herauszufinden, wie es um unseren Coach Sebastian steht, der sich für heute große Ziele gestetzt hat. Als dann auch Miro wieder im Stadion angekommen ist, machen wir uns auf den Heimweg. Mein Handy verrät mir, dass Sebastian führt! Bei bereits knapp 50km. Wahnsinn!!! Nach einer schnellen und heißen Dusche hüpfe ich noch im Handtuch eingewickelt ins Wohnzimmer und schalte Servus TV ein.
Und er führt immer noch. Wahnsinn. Und was ist das spannend zu sehen, wir es weltweit aktuell aussieht. Ich kam mich nicht vom Fernseher lösen. Ich muss richtig mitfiebern.
Bei km 68 wird Sebastian gecatcht und ist somit der Sieger des Deutschland-Rennens. Chapeau!!!!
Und der globale Gewinner ist ein Rollstuhl-Fahrer mit 92km. Einfach nur der absolute Hammer diese Leistungen.
Was für ein aufregender Tag, dass muss ich erst mal verarbeiten. Für mich steht fest: nächstes Jahr auf jeden Fall wieder und noch ein paar Kilometer draufpacken!
#Run for those who can’t!

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Zurück in die Hölle

Nun möchte ich einmal zurück in die Vergangenheit, denn ich habe noch nicht berichtet, was genau passiert ist, als das Unheil seinen Lauf nahm…

Nach dem Womens Run ging es mir absolut nicht gut. Ich hatte nur noch 1,5 Monate Zeit für den ersten Halbmarathon zu trainieren. DER ERSTE.
Ich hatte mich mit Freunden zum Bestzeitenmarathon angemeldet; Startschuss um 24 Uhr in der Nacht. Ich wollte unbedingt daran teilnehmen. Wegen meiner andauernden Probleme habe ich natürlich ein bis zwei Trainingseinheiten ausgesetzt – in der Hoffnung, der Muskel erholt sich wieder. Nach wie vor war ich der Meinung, dass es eine Nachwehe der Zerrung von Juli war. Dachte!

Also ab zum Orthopäden. Dem habe ich natürlich gleich gesagt, dass ich auf einen Halbmarathon Ende Oktober trainiere. Er gab mir zunächst den Rat Ibuprofen zu nehmen und zwei Wochen zu pausieren.
“WAAAAAAS? Zwei Wochen? Hat der mir nicht zugehört?”
Meine Gesichtszüge müssen mich verraten haben, denn er fügte hinzu: “Dann sind immer noch 4 Wochen Zeit bis zum Halbmarathon. ”
Etwas geknickt verlies ich die Praxis. Zwei Wochen… ich musste noch nie pausieren, wie soll ich meinem energiegeladenen Körper bitte klar machen, dass er jetzt zwei Wochen Sendepause hat?! Nun gut, wenn es hilft….

Ibu hat jedoch gar nichts gebracht. Absolut nichts. Ich hatte immer noch Schmerzen.

Nach Ablauf der zwei Wochen bin ich direkt eine Runde gelaufen. Aber nach nicht mal 4 Kilometern habe ich die Schmerzen wieder stärker gespürt. Total geknickt habe ich mir einen erneuten Termin beim Orthopäden besorgt. Ich habe doch nur noch 4 Wochen….

Dieses Mal gab es eine Ultraschall-Untersuchung. Ibu hat ja nix gebracht.
“Da ist ein kleiner Riss am Muskel. Der muss wieder verheilen”, so der Orthopäde.
“Aha und nun?”, meine unausgesprochene Antwort.
“Ich setz eine Spritze direkt an den Muskel, das sollte helfen. Und nochmal zwei Wochen Pause.”
Spinnt der? Das sind in Summe dann 4 Wochen Trainingspause.
Seine Blicke haben Bände gesprochen: “Keine Wiederrede Frau Klose.”

Wie soll ich den Halbmarathon bitte schaffen??? Kann doch nicht völlig untrainiert 21km runterrotzen. Die Situation war völlig deprimierend. Ich mag es nicht, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Und das lief es nun mal nicht. So gar nicht. Immer wieder fragte mich meine liebe Lauffreundin, ob ich denn mitlaufen kann und wie es mir geht? Ich wollte gerne antworten, dass alles gut wird, aber das konnte nicht. Da hätte ich glatt gelogen. Ich wollte es dann spontan entscheiden.
Die Woche vor dem Halbmarathon: keine wirkliche Besserung in Sicht. Kurze Testrunde gelaufen: immer noch Probleme. Soll ich oder soll ich nicht?! Wird schon irgendwie gehen. Ist das klug? Natürlich nicht! Ist das gesund? Erst recht nicht. 3 Tage plagte ich mich, zögerte die Entscheidung immer weiter raus. Ein Glück hat die Vernunft gesiegt und so musste ich schweren Herzens absagen. Aber ich wollte auf jeden Fall dabei sein.

Der Startplatz ging an Miro über. Ihn habe ich gefühlt 1000mal gefragt, ob er das wirklich machen will, so quasi komplett untrainiert.
“Ja, für dich mache ich das.”
“Das musst du nicht, denk an deine Gesundheit!”
“Nein, dass geht schon.”
Halbmarathon so völlig untrainiert, der ist doch verrückt. Nicht verrückter als ich selbst, ich war ja selbst kurz davor zu sagen: Scheiss auf die Verletzung und das Trainingsdefizit.

29. Oktober 2016 24:00 Startschuss. TRÄNEN!!!!
Da hätte ich eigentlich mitlaufen sollen.
Es war bitterkalt, die Gruppe lief ihre 2,2km Runde, kam immer wider an uns vorbei. Ich feuerte alle fleißig an und stürzte meinen Glühwein runter. Deprimierend. Alles deprimierend. Ich empfing alle im Ziel und drückte sie herzlich. Trotz der Freude für sie war ich tief unglücklich.

Erneuter Besuch des Orthopäden, dieses Mal gab es neben Ultraschall noch ein Röntgenbild. Der Riss war immer noch an Ort und Stelle. Und nun?
Ab ins MRT! Und weiterhin Füße still halten. Der hat ja leicht reden gehabt, er hatte ja keine Schlafstörungen, weil der Körper nicht ausreichend ausgelastet war.

Erster Anruf Anfang November:
“Wir können Ihnen erst wieder am 21. Januar einen Termin für das MRT anbieten.”
Bitte was? In 3 Monaten. Hallo, ich habe jetzt Probleme und möchte jetzt wissen was los ist, nicht erst in 3 Monaten. Geht’s noch?

Kurz vor einem Heulkrampf wählte ich die nächste Nummer:
“Oh, diese und nächste Woche habe ich leider keine Termine mehr, aber am 11. November ist was frei.”
Alles ist besser als erst in 3 Monaten. Katastrophe abgewandt. Zunächst.

Dieser MRT-Termin hat mich im Vorfeld unglaublich nervös gemacht. Ich hatte richtig Angst davor. Was genau passiert da? Was die wohl finden werden?
20 Minuten stillhalten während das MRT lautstark um mich herum arbeitete. Nicht sehr schön. Ich war so dankbar, als es endlich vorbei war.

Besprechung mit dem Arzt:
“Sie haben da einen Riss, sie müssen mit ihrem Orthopäden besprechen was da am Besten zu tun ist. Evtl. operieren.”
Bitte was? Drehen denn gerade alle durch?
Völlig durch den Wind kam ich zu Hause an. Ich möchte doch nur wieder Sport machen und meinen stinknormalen Alltag zurück. Ein Glück ist damals jemand von seinem Termin abgesprungen und so konnte ich direkt am nächsten Tag mit den MRT-Bildern zum Orthopäden.

Er erklärte mir dann breit und lang, dass ich einen Knorpelriss in der Hüfte habe, direkt an der Stelle, wo der Oberschenkelknochen in die Hüftpfanne mündet.
Wie habe ich das bitte hingekriegt?
So wirklich operieren kann man das nicht.
Wird ja immer besser.
Ich sei ja jung genug, dass vernarbt von alleine. Wird aber mindestens 3 Monate dauern.

Und schon war meine Welt zusammen gebrochen. Stillhalten. 3 Monate. Mindestens! Das ist doch scheisse!

Die Wochen vergingen, statt Training gab es jede Menge Glühwein auf den Weihnachtsmärkten und jede Menge Restaurantbesuche. Irgendwas musste ich ja tun, mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Unerträglich für mich!!! Unerträglich für Freunde und Familie. Zusätzlich jede Menge Stress im Job und kein Ventil. Es kam also alles zusammen.

Endlich kam Silvester und endlich gehörte das Jahr 2016 der Geschichte an. 2017 wird mein Jahr!!!! Neues Ziel? Frankfurt Marathon im Oktober!!!

Nachdem ich aber immer noch so Probleme hatte, habe ich mir eine zweite Meinung bei einem anderen Orthopäden eingeholt. Kann ja nicht so weitergehen und irgendwie habe ich gerochen, dass irgendwas faul ist.

Kurz zusammen gefasst der Besuch beim zweiten Orthopäden: An Hand der MRT-Bilder ist gar nicht gesagt, dass irgendwo ein Riss existiert, es ist ein muskuläres Problem: Spritze und Physio sollte helfen.

Ich konnte es gar nicht glauben, was ich da hörte. Und laufen bzw. Sport generell wurde mir auch wieder gestattet, so lange ich keine Schmerzen dabei habe. Und natürlich langsam, nicht übertreiben.

Am liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt, so glücklich war ich schon lange nicht mehr. So begann ich wider langsam mit den Trainingseinheiten und ging brav zur Physio. Viel Stretching und Blackroll habe ich ebenfalls gemacht und was soll ich sagen? Es ging bergauf!!!

Da ich aber nun absolut verunsichert war, was mein Schuhwerk und generell mein Problem betraf hatte ich mich entschieden, eine Laufanalyse durchzuführen. Klar, günstig ist sowas natürlich nicht, aber es ging um die Gesundheit und ich wollte Antworten. Und da ich für Frankfurt schmerzfrei und problemlos trainieren wollte, habe ich das Geld in die Hand genommen und habe mir einen Termin in der  Laufbar gemacht.
Und die Analyse war jeden Cent wert!
Ich weiß wo die muskulären Probleme herkamen und ich habe, trotz Laufbandberatung im Sportgeschäft, falsche Schuhe getragen bzw. verkauft bekommen. Viel zu weich und viel zu wenig gestützt.
Also gab es, neben der Analyse, noch neue Schuhe mit Einlagen. Die richtigen Schuhe! Laut Verkäufer das Wundermittel für die ganz harten Fälle.

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Jetzt konnte es also losgehen!!!! ENDLICH!!!!

An dieser Stelle möchte ich mich noch an alle Laufeinsteiger richten:
Bitte lasst euch vernünftig beraten und nehmt das Geld für die richtigen Schuhe in die Hand. Wir ihr lesen könnt ist es absolut notwendig. Falsche Schuhe können so viel Schaden anrichten. Seit ich die neuen Schuhe habe, gibt es keine Beschwerden mehr.

Die nächste Trainingswoche folgt in Kürze!

Standard

Bergauf, Bergab…

Tag 36 – 1km Einlaufen; 30 Minuten zügig; 1km locker auslaufen
Klingt entspannt, ABER:… ist es gar nicht. Der Lauf gleicht einem Kampf auf Leben und Tod. Jaaaaa so dramatisch ist es heute. Die Beine sind müde, die Motivation auf dem Tiefpunkt, der Muskel beleidigt…
Es läuft einfach absolut nicht rund. So gar nicht. Ein Kampf gegen die Zeit. 30 Minuten können so verdammt lang sein. Und zügig? Das würde ich auch niemals als zügig bezeichnen, aber aus meinem Körper ist einfach nicht mehr raus zu holen. Ich habe den Eindruck, dass mich jeder ganz mitleidig anschaut, an dem ich vorbei komme. Ist der Kampf so offensichtlich? Ich weiß es nicht. Ich muss noch eine kleine Extrarunde drehen, um die Zeit voll zu kriegen. Es dauert einfach ewig. EWIG!!! Es will einfach nicht enden. Endlich sind die 30 Minuten um und es geht ins Auslaufen. „Auslaufen“. Auskrabbeln trifft es heute wohl eher. Ich bin schlecht drauf, seit Freitag läuft es gar nicht gut, dass ist absolut frustrierend. Die Durchschnittspace lag bei gerade mal 6:39. „Miserabel!“, ruft der kleine Teufel in mir. Mein Schweinehund lacht mich aus: “Ich habe es dir ja gleich gesagt!” Frech!!!!Frustriert und völlig fertig vertage ich auch das anstehende Stabitraining. Ausfallschritte schaffe ich heute keine mehr.

Tag 37 – Alternativtraining nach eigenem Ermessen
Was ein Glück ist die Definition heute „nach eigenem Ermessen“. Das gefällt mir! Sehr gut sogar! Ich habe lange überlegt, was die Beine am wenigstens belastet, denn die sind immer noch der Meinung träge und erschöpft zu sein.
Ich entscheide mich schwimmen zu gehen. Nicht kraulen, auf keinen Fall. Das kann ich nicht sehr gut und das ist mir für die Beine auch schon wieder zu anstrengend. NEEENEEEE, schön locker Brustschwimmen. Ganz entspannt UND nach eigenem Ermessen.
Es ist wahnsinnig voll und ich muss ständig ausweichen. Aber ich kann erstaunlich gut abschalten. Ich muss sogar aufpassen, dass ich mich bei den Bahnen nicht verzähle, so abgelenkt bin ich. Offiziell sind es am Ende des Tages 60 Minuten und 1,5km. Damit bin ich erst mal zufrieden. Stabi? Mach ich dann morgen…

Tag 38 – URM
Lockerer Dauerlauf durch den Englischen Garten und noch ein wenig Balancetraining. Balance finde ich gut. Schwebebalken war zu meiner lang zurückliegenden Turnerkarriere neben Boden mein stärkstes Gerät.
Was soll ich sagen? Die Beine sind immer noch müde, der Muskel zickig, es ist windig und irgendwie bin ich immer noch „mimimimi“. Da ist es natürlich auch super hilfreich, dass meine heutigen Laufpartner ebenfalls unmotiviert sind: NOT. Coach Andrea schimpft ein wenig mit uns, dass wir so negativ sind. Coach Sebastian filmt das Leiden Christi vom Fahrrad aus. Na toll, Beweismaterial. Zu allem Überfluss soll die lange Runde durch den Englischen Garten gedreht werden. Nach langem gemoser kürzt unsere Gruppe aber doch vorher ab. Juchuuuu! Auf dem letzten Kilometer begleite ich meine Freundin Kerstin, die heute Knieprobleme hat, gehend zurück zum Parkcafé. Kommt mir ganz recht, ich weiß die Probleme mit dem Muskel noch nicht so recht einzuschätzen. Stabi lasse ich auch heute wieder sausen. Lieber eine ausgiebige Einheit auf meiner Blackroll und auf meinem Tennisball. Wärmesalbe und Tape. Das sollte helfen… sollte!

Tag 40 – 50 Minuten lockerer Dauerlauf
Keine Chance. Ich bin müde, verausgabt, erschöpft und mein Oberschenkelmuskel und auch der Pomuskel erholen sich nur mühsam. Kann doch nicht wahr sein, das geht jetzt schon eine ganze Woche so. Ärgerlich. Ich stelle mir einen Haufen Fragen:

Zu viel Training? – Eigentlich nicht.
Mute ich mir zu viel zu? – Vielleicht?
Bist du dir sicher, dass du das durchziehen möchtest? – ein klares, starkes und lautes JA!

Ok, die Motivation ist noch nicht ganz flöten gegangen. Trotzdem steht mir mein Kopf immer wieder im Weg. Notiz an mich: Mentale stärke aufpolieren!

Sandra verordnet mir einen Besuch beim Orthopäden. Ja, sie hat ja Recht.

Ich gönne mir eine weitere, ausgiebige Runde auf der Blackroll. Dehne mich hier und dort. Ein wenig hilft es.

Tag 41 – Tempotraining
Auf dem Programm steht: 2x 8x100m Max 50m Trabpause und 5 Minuten Pause dazwischen
Ich gehe mit gemischten Gefühlen an diese Einheit, wobei Ich mir eigentlich sicher bin, dass mir die 100m besser liegen als die 400m. Eigentlich!
Es ist Karfreitag, es ist 7:00 Uhr und eigentlich möchte ich noch weiter schlafen. Da es aber heute noch auf die Autobahn geht und ihre Lieblichkeit ca. 340km weit entfernt zum Mittagessen erwartet wird, stehe ich schließlich doch auf und gönne mir erst mal ein Glas Naturtrüben Apfelsaft. Irgendwo muss die Kraft ja her kommen.
Los geht’s – gemütlich Einlaufen zum Lieblingsort für kurze Steigerungen und Sprints: Der Weg zu Obi und Metro. Die Kameras erwarten mich bereits.
Bis jetzt ist der Muskel ganz ruhig. Es geht los: die ersten 100m… ist noch ok. Ich deklariere die Trabpause erneut zu einer Gehpause. Irgendwie muss ich mich ja innerhalb von nur 50m erholen.
Runde 2: Ist das ätzend.
Runde 3: Kotz!
Runde 4: Schande, die Beine sind jetzt schon ganz schön müde.
Runde 5: Lass es aufhören!
Runde 6: Sandra, ich hasse dich dafür!
Runde 7: Wo kann ich mich begraben?
Runde 8: Ich will nicht noch einen Set davon machen!!!

PAUSE! Endlich. Ich mag nicht noch eine Runde. Wie soll ich das schaffen? Für die Beine ist das echt anstrengend. Das hätte ich niemals gedacht. Und ich bin wieder etwas schlauer.  Tempotraining tötet die Beine. Habe verstanden. Ich latsche hin und her. Beobachte eine Katze, die aus ihrem Versteck unter einem nahe parkenden Auto wiederum mich beobachtet. Ein Hundebesitzer kommt mit seinen zwei Hunden daher und läuft unseren Sprintweg entlang. Er schaut etwas irritiert und lächelt dann. Ich weiß noch, ob der Befehl von meinem Gehirn zurück zu lächeln in den Mundwinkeln ankommt. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Muss das sein? ICH MAG NICHT. Aber gut, ich hab es so gewollt. In weniger als 200 Tage ist der Frankfurt Marathon und ich möchte auf jeden Fall finishen. Komme was wolle! So und jetzt Füße in die Hände nehmen und los!
Runde 1: Bääääääääääääääääh!
Runde 2: Anstrengend!
Runde 3: Oh man noch 5 davon!
Runde 4: Stop this stupid shit!
Runde 5: Der Muskel. SCHEISSE, der Muskel!
Runde 6: Hör auf zu zwacken, hör auf zu zwacken!
Runde 7: Gleich geschafft, Arschbacken zusammen kneifen!
Runde 8: HACK MIR DIE BEINE AB!

Endlich vorbei. Gott sei Dank, ich habe den Weg aus der Hölle herausgefunden. Die Beine sind Wort wörtlich durch. Fühlen sich an wie viel zu lang gekochte Spagetti. Auslaufen ist nicht, ich kann die Beine kaum heben. Es wird zum Ausgehen umgewandelt. Will ja auch den Muskel nicht überreizen, der sich doch schon wieder zu Wort gemeldet hat. Ich bin so platt, platter als eine Flunder. JAAAAA, das geht! War wohl auch nicht das Klügste, das Training morgens auf quasi nüchternem Magen zu absolvieren. Die Dusche erweckt ein paar Lebensgeister. Der Kaffee danach noch mehr. Farbe kommt zurück ins Gesicht. Jetzt habe ich verlängertes Wochenende, eine Shoppingtour steht an und ich habe bis Sonntag Trainingspause. Hallelujah!

Tag 42 – Ruhe
Ich habe mir zwei neue Laufhosen gekauft….

Tag 43 – Lauf nach eigenem Ermessen
Das viele Schlafen und nichts tun über die Ostertage erholt enorm. Es erschwert aber auch das „sich aufraffen“ für eine Laufrunde. Erst mal schön in Ruhe frühstücken.
Miro macht schon wieder dezent Stress: „Ich geh jetzt laufen!“. „Jetzt schon?”, so meine Antwort. „Ja, ich will das vor dem Mittagessen hinter mich bringen.“ Viel zu motiviert für meinen heutigen Geschmack. Ihr wisst gar nicht, wie lange es dauern kann bis man sich in Sportklamotten kleidet. Pures Zeitschinden, wie Miro schnell bemerkt. „Bist du bald mal fertig?“. JA DOCH!!!!
Wir sind die Feiertage in der Heidelberger Gegend. Sprich, hier gibt es VIELE Weinberge. Sehr viele! Die ersten 100m bestehen schon aus einem ordentlichen Anstieg. Ich bin immer noch auf der Suche nach meiner Motivation. Die hat sich über Ostern offensichtlich auch mal frei genommen. Dreist, so ganz ohne zu fragen. Nach dem ersten Anstieg geht es mehr oder weniger geradeaus durch die Weinberge. Zum Glück, dann wieder etwas bergab. Etwas den asphaltierten Weg entlang bis zum nächsten Dorf, direkt rechts ab die steile Straße hinauf. Yeeeah, Freude. Und wieder in den Berg, es geht weiter steil nach oben. Und so langsam macht das Ganze hier richtig Spaß. Es geht wieder geradeaus, es kommen uns Wanderer entgegen. Die schauen etwas irritiert. Liegt wohl an meiner Farbkombi: Gelbe Hose und pinke Jacke. Und es geht DOWNHILL: Wuuuhuuuu. Ich sollte öfter im Gelände laufen, denn das macht wirklich riesigen Spaß. Bergauf, bergab geht es und nach 50 Minuten sind wir fix und fertig aber absolut glücklich.  Hat sich absolut gelohnt heute.

Tag 44 – 35 Minuten Shake Out Run nach der Autofahrt
Lange Fahrt – viel los – es ist spät – die Beine müde – Gemeinschaftlicher Beschluss den Lauf zu schwänzen. Stattdessen gibt es Essen vom Italiener um die Ecke. Ein schlechtes Gewissen macht sich irgendwo, dezent in der hintersten Ecke meines Gehirns bemerkbar. Muss auch mal sein. Der Coach lacht – es ist ok, ihr hattet gestern Höhenmeter und schwänzen gehört doch dazu.
Das schlechte Gewissen meldet sich wieder ab.

Tag 45 – Alternativtraining nach eigenem Ermessen
Klingt gut – Aber da steht noch was kleingedrucktes im Trainingsplan: Cardiolastig.
Nach langer Überlegung entscheide ich mich für HIIT – High Intensity Intervall Training. 40 Minuten. Läuft ganz gut. Da ich im untersten Stockwerk wohne und somit niemand unter mir wohnt, können sich die Nachbarn auch nicht über das Gespringe beschweren. Und jaaa, ich schwitze.
Danach noch 3x 60 Sekunden Planking. Gut, dass ich eben schon Burpees und Mountain Climber gemacht habe.
Runde 1: Läuft ganz gut. Runde 2: Eher zäh. Runde 3: SCHEISS DIE WAND AN.
Das fand ich jetzt gar nicht ohne.
Schnell duschen und Feierabend!

Tag 46 – URMel Bootcamp
Geil, Bootcamp. Voll mein Ding! Und nein, dass meine ich nicht ironisch, sondern zur Abwechslung absolut ernst. Ich bemerke aber Muskelkater vom Vortag. Das Training war nicht ohne. Die Beine sind schwerer als gedacht. Das Bootcamp verlangt einiges an Kraft ab. HIIT war wohl doch nicht so klug. Habe bei der Entscheidung nicht bedacht, dass Bootcamp ansteht. Die Muskeln brennen. Und das nicht zu wenig. Danke liebe Coaches! Spaß hat es trotzdem gemacht.

Tag 47 – 60 Minuten
Dieses mal mit einem netten Zusatz: Ganz, ganz locker. Die letzten beiden Tage waren fies. Danke Coach, fühl dich gedrückt. Die Beine sind schwer wie Blei. Kein Wunder nach dem intensiven Training der letzten Tage. Mal wieder ein Lauf gegen den Kopf. Die Luft ist herrlich klar. Aber gefühlt komme ich nicht so recht vom Fleck. Ist das heute zäh. So richtig Lust habe ich mal wieder nicht. Ich höre ein andauerndes „mimimi“ vom Teufelchen. Heute ist irgendwie nichts los im Park. Und kaum habe ich diesen Gedanken sehe ich jede Menge Läufer und Spaziergänger. Nanu? Wo kommen die denn alle her? Bin ich zwischendrin eingeschlafen? Mühsam geht es vorwärts durch den Park. Noch ca. 15 Minuten – Endlich, ich kann den Heimweg einschlagen. Zu Hause angekommen gibt es auch noch eine extra Einheit Rolle und Stretching. Die Beine sind fix und fertig. Wie soll ich morgen bloß das Tempotraining überstehen?

Tag 48 – Tempotraining
Und ein ganz schön ausgefuchstes:
2x400m, 90 Sekunden Pause
2x300m, 70 Sekunden Pause
2x200m, 50 Sekunden Pause
4x100m, 30 Sekunden Pause
Zwischen den Sets gibt es 3 Minuten Pause.
Ich kläre vorher ab, wie genau die 3 Minuten Pause aussehen soll. Nach eigenem Befinden, gehen, traben, wie es eben geht. Ok, damit kann ich arbeiten.
Ich logge mich vorher im Polar Web-Service ein. Hier kann ich das Training wunderbar erstellen und auf meine Uhr laden. Dann muss ich nicht immer auf die Uhr starren sondern kann mich auf das Tonsignal von ihr verlassen.
Das Wetter ist gut – kühl aber die Sonne scheint trotzdem fleißig. Eine Runde einlaufen. Die Uhr läuft. Ich entscheide mich für eine flache, wenige befahrende Straße in der Gegend, um einen einfachen Untergrund zu haben. Die Uhr läutet und die erste 400er Runde. Ich hasse die 400er Intervalle. Schon nach der hälfte der Strecke frage ich mich, ob die 400m nicht bald vorbei sind. Tonsignal – gehen. Tonsignal – weiter geht’s. Ich stelle fest, dass mir die 400er einfach nicht liegen. Die erste große Pause. Ich gehe und betrachte meinen Puls auf der Uhr. Dieser geht erfreulicherweise sehr schnell runter. Und ich fühle auch, wie schnell ich mich erhole. Das freut mich. Tonsignal und die 300er Runde. Diese gehen etwas besser, aber immer noch nicht gut. Auch in der nächsten großen Pause geht der Puls wieder schnell runter. Sehr schön, so kann es weiter gehen.
Die 200er liegen mir definitiv besser. Die Beine sind zwar etwas schwer, aber es läuft sehr viel besser als gedacht. So kann es weiter gehen. Eigentlich könnte man doch das Training jetzt schon beenden. Aber es fehlen ja noch die 4x100m. An die letzten 100er habe ich keine guten Erinnerungen. Auf geht’s! Auch diese laufen sehr viel besser als gedacht, obwohl die Pausen zwischen den 100er sehr kurz sind. Der Puls geht nicht mehr ganz so weit nach unten, aber ich komme wirklich gut durch das Training und bin endlich wieder positiver gestimmt. Es geht doch aufwärts und das Tempotraining heute war nicht so zerstörend wie die Wochen davor. Auslaufen nach Hause und ab ins Wochenende.

Tag 50 – Ruhe
Sei mir gegönnt

Tag 51 – 90 Minuten Dauerlauf
Ich beginne den Tag mit einer ausgiebigen Runde passiv-Sport. Heute ist Hamburg Marathon und ich muss meinen ganzen lieben URMel-Freunden die Daumen drücken. Mein Handy ist schon vorbereitet, so dass ich alle per Live-Tracking verfolgen kann. An die Starter in Wien und Landshut denke ich natürlich auch. Die Übertragung aus Hamburg habe ich letztes Jahr schon geschaut. Die machen das echt immer ganz nett und es geht nicht pausenlos um das Spitzenfeld, sondern auch um die Hobbysportler und die Stadt an sich. Das Wetter draußen läd sowieso gerade nicht dazu ein, laufen zu gehen. Ich trinke Kaffee, mampfe meine Semmel und bin ganz gespannt auf jede neue Zeit, die das Livetracking liefert. Ich freue mich mit jedem Einzelnen.
Die Übertragung ist vorbei, alle Freunde wohlbehalten im Ziel, also wird es Zeit, dass ich mich aufraffe und selbst meine heutige Runde drehe. Noch ein kurzer Blick in den Trainingsplan: Die Pace soll 6:35 nicht unterschreiten. Als ob ich so schnell laufen würde. Aktuelles Wohlfühltempo: 7:00 auf den Kilometer.
Irgendwie ist das Wetter sehr tückisch. Windig, kalt, sonnig, warm. Alles dabei. Heute drehe ich meine Runden nicht durch den Park sondern laufe in den ca. 1km weit entfernten Wald zwischen Gräfelfing und Freiham. Einen wirklichen Plan habe ich nicht. Querfeldein laufen, so wie ich es am Liebsten mache. Die Autobahn höre ich in weiter Ferne: Sie bietet eine gute Orientierung hier mitten im Wald. Man sieht nur wenig Menschen. Es ist wirklich schön hier, traumhaft schön. Ich habe meine Ruhe und genieße die Natur. Kaum zu glauben, dass ich hier vorher noch nie laufen war. Nach nicht mal 3km muss ich schon anfangen mich zu bremsen, denni ch bin schneller als 6:35. Ernsthaft? Ich kann kaum glauben, dass die Uhr sowas zeigt. Sandra hat es wohl geahnt.
Die Natur beflügelt mich offensichtlich. Ich fühle mich gut, der Muskel ist ruhig und ich empfinde wieder dieses wunderbare Freiheitsgefühl. Nach gut 45 Minuten trinke ich ein paar Schlucke. Gut, dass ich etwas mitgenommen habe. Und irgendwie habe ich auch den Dreh raus, während dem Laufen zu trinken. Ohne Seitenstechen. Läuft. Sehr gut sogar. Es ist wirklich schön hier. Ein Stück an der Autobahn entlang und wieder auf den nächsten Waldweg in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Hier gibt es wirklich viele Wege, das gefällt mir sehr gut. Ich beschließe, hier mehrere Läufe hin zu verlagern. Aber natürlich nur, so lange es hell ist. Alle Andere wäre fatal. Ich freue mich und habe nur noch 15 Minuten. Ich laufe noch einen Schlenker durch das Wohngebiet. Jetzt bemerke ich, dass ich Hunger habe. Nein, ich habe KOHLDAMPF. Ok, mehr als 1 Stunde 30 kann ich also nicht laufen ohne Nahrung. Gut zu wissen für die Zukunft. Alles was drüber geht, benötigt neben Wasser auch Kohlenhydrate oder was auch immer. Zu Hause angekommen bin ich richtig glücklich. Das lief wirklich gut und ich hatte so viel Spaß. So könnte es doch immer sein.

Standard

Step by Step

Tag 29 – Alternativtraining
Heute steht mal wieder ein Kurs im Fitnessstudio auf dem Programm: Power&Move. Die Kunden werden leiden! Squats, Klappmesser, Mountain Climber, alles ist dabei.
Die Kunden leiden – ich leide noch mehr. Da ich schon immer der Auffassung war, dass man als Trainer ALLES mitmachen muss und bei ALLEM 150% geben sollte, bin ich nach der Hälfte der Zeit schon wieder komplett durchnässt und verausgabt. Das gibt Muskelkater. Aber: Es macht nach wie vor super viel Spaß. Der Kurs ist vorbei, mir läuft der Schweiß in Wasserfällen runter. Ich bin glücklich – auch wenn im Trainingsplan noch Stabitrainign zu finden ist…. Was muss, das muss!

Tag 30 – 50 Minuten lockerer Dauerlauf
Heute ist kein normaler Dauerlauf – Heute treffe ich mich mit meiner liebsten Laufpartnerin Melli zum Laufen!!! Da wird der Muskelkater einfach ignoriert und vergessen. Wir verabreden uns nach der Arbeit in einer S-Bahn und fahren gemeinsam zu mir um uns in Schale zu schmeißen. Los geh’ts. Die Luft ist traumhaft klar – es hat kurz vorher noch geschüttet ohne Ende. Die Zeit vergeht wie im Flug, wir haben uns viel zu erzählen. Ihr gefällt die Strecke in meinem geliebten Park und an meiner geliebten Würm entlang. Und die Herzfrequenz bleibt trotz des vielen gequassels in einem, für mich, niedrigen Bereich. Vielleicht hat das viele Training schon was bewirkt?

Blondie und Brownie

Tag 31 – URMel Geburtstags Beermile
Ok, heute steht das Training mal im Hintergrund und der Spaß im Vordergrund denn es wird gefeiert – zwei Jahre Urban Runners Munich, von dem ich mittlerweile auch schon ein Jahr dabei bin. Die Coaches haben sich ein lustiges „Hinderniss“-Rennen ausgedacht. Die Strecke soll 4-mal gelaufen werden. Allerdings muss vor jeder Runde der Becher ge-ext! werden. Da ich es natürlich geschafft habe, meinen kleinen Becher bei der Vergabe direkt zu zerstören, gab es für mich zur Strafe einen größeren und stabileren Becher. Ganz toll…. Mit viel zu viel Radler im Bauch meistere ich ganz brav die Aufgaben der Coaches – Es steht ja der Spaß im Vordergrund. Ich wechsle die Disziplin: TANZEN! Ein bisschen angetüdelt ist so ziemlich jeder und wir freuen uns einfach über den super unterhaltsamen Abend. Die Spaziergänger am Königsplatz schauen alle etwas irritiert – Die sind sicher nur neidisch auf unsere aufblasbare Getränke-kühl-Insel.

Tag 32 – Ruhe
Denn nach der Feier soll man sich ja erholen – Danke Lieblingscoach dass ich trotzdem meine „geliebten“ Ausfallschritte machen darf: 30 Stück je Seite.

Tag 33 – Tempotraining
Oh mein Gott, das erste Tempotraining. Und schon beim Anblick der zu bewältigenden Aufgabe im Trainingsplan vergeht mir jegliche Motivation.
8x400m mit 200m Trabpause. Mit Ein- und Auslaufen sind das ca. 8km.
Den ganzen Tag weiß ich, was mir bevor steht. Und als ich endlich nach der Arbeit zu Hause ankomme, habe ich noch weniger Lust. In diesem Moment ist es ganz gut, dass ich das Training nicht alleine machen muss. Miro muss sogar 10x400m machen. „Haha!“, sagt die Schadenfreude.
Warmlaufen – in den Park – zum Ausgangspunkt der 600m Runde. „ICH WILL NICHT“, schreit der Kopf. „Ich mag viel lieber ganz gemütlich meine Runden drehen.“ Ich lasse ihn schreien, jetzt bin ich ja sowieso schon da und warmgelaufen.
Los geht’s – Runde 1. Nach 300 Metern kotze ich schon ab. Dabei bin ich extra „langsam“ gestartet. Die 200m Trabpause wird ganz fix in eine Gehpause umgewandelt. Meinen Puls schaue ich mir erst gar nicht an. Die ersten zwei Durchgänge vergesse ich auch die Rundenzeit zu stoppen – toll gemacht. Schon in der dritten Runde fällt mir auf, dass auf der rechten Seite der hintere Oberschenkel zwickt. „Was soll das jetzt?“, frage ich mich.
Ich laufe immer wieder an den selben Hundebesitzern vorbei – mal schnell – mal gehend. Die denken sich auch ihren Teil…
Miro überrundet mich: „Alles ok?“, fragt er. „Nicht wirklich“, so meine Antwort. „Mach langsam“, und schon ist er weg. Noch langsamer?
In der letzten Runde hängt mir Miro im Nacken. Das Bein motzt und motzt. „Den kann ich jetzt aber nicht vorbeiziehen lassen, ich lass mich doch kein zweites mal überrunden, kommt gar nicht in die Tüte!“, höre ich mein trotziges und motziges Ich. Also, auf die Tube drücken. Was man auf die Tube drücken nennen kann. Die Beine sind unfassbar erschöpft und ich fühle mich lahm wie eine Schnecke. Er schafft es dennoch nicht an mir vorbei zu ziehen. Bin also doch nicht so langsam.
Fix und fertig werden keine offiziellen Wege nach Hause genutzt, sondern querfeldein über die Wiesen gelaufen. Jeder cm zu viel wird vermieden! Ich hätte nie erwartet, dass so eine Tempoeinheit derartig in die Beine geht. Und was zur Hölle soll das Muskelzicken schon wieder?
Wenigstens Let’s Dance am Abend lockert die Stimmung wieder etwas auf.

Tag 34 – Ruhe
Die habe ich nach gestern bitter nötig! Mein Muskel beschwert sich noch immer.
Wir sind auf einer Hochzeit eingeladen – Ein schönes Hoffest bei strahlendem Sonnenschein. Der Nachmittag wird mit einer Olympiade verbracht.
Statt zu Ruhen und den Nachmittag mit Kuchen- und Kaiserschmarren-Essen zu verbringen wage ich mich an die Disziplin „Bierkistenkraxeln“. Bei Bierkiste 14 kippt mein Turm und ich hänge wortwörtlich in den Seilen. Cheers!

Tag 35 – 75 Minuten lockerer Dauerlauf
Früh aufstehen!!!! Aber nicht wegen dem Lauftraining. Nein, ich muss um 8 Uhr in Augsburg sein zum Fahrtsicherheitstraining. Bis 16:30 Uhr verbringe ich den Tag im Schleudergang, mit Vollbremsungen, mit Buffet-Essen (das Essen ist erstaunlich gut) und praller Sonne.
Die Beine sind etwas angeschlagen, den ganzen Tag im Auto sitzen (blöder Winkel für die Knie) und sämtliche Pedale treten ist erstaunlich belastend.
Ich bin müde, als ich endlich zu Hause ankomme. Da das Wetter aber so toll ist, schmeiß ich mich schnell in die Laufklamotten und laufe los.
Es fällt mir schwer – alles in allem bin ich unfassbar müde, mein Muskel muckt rum und die Beine sind schwer. Aber irgendwie gehen auch die 75 Minuten vorbei. Ab ins Bett!

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